Generalkur für das Haus im und auf dem Fels

Nach dem häufigen Besitzerwechsel im 20. Jahrhundert machte ein Zillertaler aus den Nagelschmiedhäusern in Rattenberg ein Museum.

Von Walter Zwicknagl

Rattenberg –Wie Schwalbennester kleben die Nagelschmiedhäuser am westlichen Stadteingang von Rattenberg am Fels und sind für die vielen Gäste der mittelalterlichen Stadt ein begehrtes Fotomotiv. Viel entdecken kann man aber auch in den Häusern selbst. Aus den ehemaligen bescheidenen Knappenwohnungen gelang es dem Zillertaler Friedl Wetscher, ein Museum höchster Qualität zu machen. „Nomen est omen“ mag beim Spross der Fügener Einrichtungsdynastie wohl seine Richtigkeit haben. Und rund 50.000 Besucher haben die beiden Museumshäuser, die seit zwei Jahren öffentlich zugänglich sind, pro Jahr. „Ich habe eine Arrangement mit einem der führenden Touristiker getroffen“, bringt es der begeisterte Sammler auf den Punkt.

Eigentlich suchte er in den Neunzigerjahren ganz einfach nach einem gemütlichen Rahmen nach Jagdtagen bei Münster und landete in Rattenberg. Schließlich ist aus dem Doppelhaus ein Museum geworden. Knappenhäuser, Felsenhäuser und Nagelschmiedhäuser waren die Namen das Objektes im Laufe der Jahrhunderte. Im Jahre 1912 fand man eine vermutlich vom Fels weggebrochene Platte mit der Jahrzahl 1148. „Das könnte als Baujahr der Häuser angenommen werden“, hatte der ehemalige Rattenberger Chronist Friedrich Stops schon vor gut 30 Jahren vermutet. Von einem Nagelschmied, der vier Feuerstätten eingerichtet hatte, erfährt man in einer Schrift aus dem Jahr 1767. Der letzte Nagelschmied war Anton Rafner, der sein Handwerk bis zum Jahr 1912 ausführte.

Ganz in seinem Element ist der heute 72-jährige Friedl Wetscher, wenn er durch das Haus führt. „Ich habe schon vor 50 Jahren mit dem Sammeln begonnen und mich immer für Historisches interessiert“, erzählt er bei einem Gang durch die Geschichte Tirols in den zwei Häusern, die nur ein Stiegenhaus und viele Kamine haben. Ehe er das Museum öffnen konnte, musste er viel investieren. Vom Verputzen der feuchten Wände bis zum Restaurieren vieler Bilder reichte der Bogen. In einer gemütlichen Stube zeigt er stolz die Harfe seiner Mutter. Mannshoch sind im ersten Schauraum die Figuren des heiligen Wolfgang und des heiligen Ulrich. Ein romanisch-gotisches Kruzifix aus dem Trentino, ein Opferstock aus Breitenbach oder ein Geldkoffer aus dem Jahr 1580 sind einige der vielen Raritäten. Und wenn es Räume einzurichten galt, war immer auch seine Gattin Gerda mit Rat und Tat zur Stelle. Ein Anliegen war es Wetscher auch, den historischen Bergbau zu dokumentieren. „Das Bundesdenkmalamt ist mir über Jahre zur Seite gestanden, damit ja nichts falsch gemacht wird“, fügt der Sammler hinzu. Und er hat noch einen Wunsch: Der Innschifffahrt, die gerade in Rattenberg eine bedeutende Rolle spielte, will er noch den entsprechenden Stellenwert verschaffen.


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