Ein Dorf probt den Aufstand gegen den Schotterabbau

Die Gemeinde Breitenbach stemmt sich weiter gegen die geplante Schottergewinnung. Die Firma verweist jedoch auf den Bedarf.

Von Wolfgang Otter

Breitenbach –„Der pure Wahnsinn!“ „Wir werden uns gegen den Schotterabbau wehren!“ Wer derzeit durch die engen Straßen von Breitenbach am Inn fährt, wird diese und ähnliche Sprüche auf Plakaten und Transparenten zu lesen bekommen. Ein Dorf hat sich verbündet. Das gemeinsame Ziel heißt: „Der Abbau in der Schottergrube im Ortsteil First darf nicht wieder aufgenommen werden.“ Sollte das passieren, so befürchten die Breitenbacher, würden sie regelrecht unter die Lkw-Räder kommen. Ähnliche Bedenken hat man in Kundl, müssten die Schottertransporte doch auch dort durch den Ort fahren. Und selbst in Angerberg hat man sich dem Widerstand angeschlossen. Freilich haben Kundl und Angerberg rechtlich nichts mitzureden.

Auslöser des Wirbels ist, wie berichtet, der Plan der Firma Anzensteinbruch-Unterrainer GmbH, den Abbau des zweiten Teils der Schottergrube anzugehen. Ende September fand dazu die Behördenverhandlung statt. „Wir haben das Abbaukonzept den Gegebenheiten in Breitenbach angepasst“, erklärt Michael Unterrainer, Geschäftsführer und Betriebsleiter. 10 bis 15 Abtransporte täglich gebe es im Schnitt, sagt der Geschäftsführer. Die Abbaumenge jährlich wäre mit 25.000 Kubikmetern geplant, in 30 Jahren sollen so rund 800.000 Kubikmeter zusammenkommen.

Diese Lkw-Zahlen zweifelt man in der Breitenbacher Amtstube an. „Es sind nur Durchschnittszahlen, wenn das Geschäft gut geht, werden mehr am Tag fahren“, glaubt LA Bürgermeister Alois Margreiter und verweist auf ein Verkehrsgutachten, laut dem die Straße zum Abbaugebiet im Dorfkern ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hat.

Doch das Gutachten nützt den Breitenbachern wenig. Als der erste Abbauabschnitt vor mehr als zwanzig Jahren genehmigt wurde, hat der damalige Berghauptmann gleich das nunmehr im Gespräch befindliche rund fünf Hektar große Areal angemerkt. Damit fällt die Trumpfkarte Verkehrsstudie im Verfahren weg, wie Margreiter bedauert. Die Hoffnungen liegen nun auf der Bedarfsprüfung. Bei der Behördenverhandlung hatte ein Vertreter des Landes auf bereis bestehende Abbauflächen und vorhandenes Material hingewiesen. „Erst in 20 Jahren besteht wieder Bedarf“, zitiert diesen Margreiter.

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Nur sei Schotter eben nicht gleich Schotter, wie Unterrainer erklärt. In First gewinne man ein Material für spezielle Anforderungen und nicht nur gewöhnlichen Schotter. Sollte er sich mit seiner Meinung durchsetzen und der Bedarf bestehen, dann überwiegt das öffentliche Interesse und die Bagger können starten. „Dann werden wir den Bescheid bekämpfen“, verspricht BM Margreiter, der die Bevölkerung hinter sich weiß, wie nicht nur die Plakate, sondern auch ein voller Saal bei einem Infoabend bewiesen hat.


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