Der Löwe, der Kleinwagenkombis frisst

Mit dem 2008 hat Peugeot dem Langheckmodell 207 SW das Wasser abgegraben – und mit Offroad-Optik macht der ansehnliche Crossover der konventioneller auftretenden Konkurrenz die Kundschaft streitig.

Von Markus Höscheler

Zürs –Mutig sind die Entscheidungen, die Peugeots Mutterkonzern PSA in schweren Zeiten trifft. Die Franzosen rangen sich dazu durch, in neuen Modellreihen das Lenkrad so zu verkleinern, dass die Instrumente über dem Lenkradkranz zu erblicken sind. PSA beließ beim Nachfolger des Kompaktwagens 308 die Bezeichnung – entgegen der Tradition, die Einserstelle um eins zu erhöhen. Zudem brachten es die Verantwortlichen zustande, den Kleinwagenkombi 207 SW ersatzlos zu streichen. Wobei ersatzlos eine Frage der Perspektive ist. PSA hat nicht aus dem Bauch heraus die Entscheidung getroffen, sondern sich für eine neue Karosserievariante auf Basis des Kleinwagens 208 entschieden: einen Crossover mit einem Designmix aus SUV-Aufbau und Kombi-Optik. Dazu spendierten die Namensgeber dem Neuling noch eine zweite Null – damit ist das Besondere ebenso gekennzeichnet wie bei den größeren Modellen 3008 und 4008. Diese beiden eint allerdings die Option auf (unterschiedlich konfigurierte) Allradsysteme. Mit Derartigem kann der 4,16 Meter lange 2008 nicht dienen, allerdings verfügt er über ein mehrstufiges Traktionsprogramm namens Grip Control (Option, abhängig von der Felgenwahl). Der bedienbare Repräsentant findet sich in Form eines Drehknopfs zwischen den beiden Vordersitzen und variiert die Schlupftoleranzen an der Vorderachse, abhängig vom gewählten Untergrund (Schnee, Matsch, Sand).

Mit den Vorzügen eines bewährten Allradantriebs kann die Grip Control nicht mithalten, auf leicht beschneiten Straßen ist sie jedoch ein Nutzen stiftender Begleiter. In diese Abteilung fallen weitere Elemente des 2008: etwa sein hoher Aufbau, der eine erhöhte Sitzposition mit sich bringt und damit bequemes Ein- und Aussteigen garantiert. Hier zu verbuchen ist außerdem der 1,6-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor, der ohne Aufladung auskommt, im Test 8,0 Liter Sprit verlangt und mit 120 PS die nötige Kraft für den 1,2 Tonnen schweren 2008 aufbringt. In stärkeren Steigungen legen wir das Ausdrehen des Aggregats nahe, da die 160 Newtonmeter Nenndrehmoment erst ab 4250 Umdrehungen anliegen. Die Übersetzungen scheinen so gewählt zu sein, dass der 2008-Kunde Schaltfreude zu seinen Tugenden zählen sollte. Disziplin war im Testwagen dennoch gefordert: Beim versehentlich ausgeführten „Hochschalten“ vom fünften in den nicht existenten sechsten Gang landeten wir ohne Sperrwirkung im Retourgang. Der Missgriff blieb ohne Folgen.

Mag sein, dass PSA hier gespart hat, sonst jedoch haben die Franzosen Großzügigkeit walten lassen, teilweise abseits der Höchstausstattung Allure: Lederbezug (Option) gab es zuhauf, Softtouchmaterialien im Bereich des Armaturenbretts schmeichelten dem Tastsinn und der Verarbeitung konnten wir viel Positives abgewinnen. Diese Einschätzung trifft ebenso auf das Erscheinungsbild außen zu, wenngleich die Offroad-Beplankung eher Showeffekten dient. Gänzlich entfernt davon ist der Nutzwert des Laderaums. Das Angebot reicht von 410 bis 1400 Litern – und somit ist die traditionelle Kleinwagenkombi-Konkurrenz gefressen. Dafür sind aber Allure-gemäß mindestens 20.840 Euro fällig.


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