„Bin nicht verlängerter Arm der Kammer“

Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (VP) sieht sich als harte Arbeiterin, die auf das Sprücheklopfen verzichten will.

Sie sind seit fünf Jahren Wirtschaftslandesrätin. Vorher waren Sie Vizepräsidentin der Tiroler Wirtschaftskammer. Besteht da nicht die Gefahr, als „verlängerter Arm“ der Kammer in der Landesregierung gesehen zu werden?

Patrizia Zoller-Frischauf: Ich bin sicher nicht der verlängerte Arm der Wirtschaftskammer. Kammer und Regierungsmitglied, das sind zwei ganz unterschiedliche Aufgaben. Eine Interessenvertretung stellt Forderungen und macht Vorschläge. Meine Aufgabe in der Regierung ist es, die PS auf den Boden zu bringen. Es müssen harte Bretter bearbeitet werden, bis sich so ein großes Schiff bewegt.

Bis 2008 waren Sie Vize von Kammerpräsident Jürgen Bodenseer, jetzt sitzen Sie ihm bei Verhandlungen gegenüber. Wie funktioniert da die Zusammenarbeit?

Zoller-Frischauf: Natürlich gibt es zwischen Bodenseer und mir in wichtigen Fragen eine enge Abstimmung. Der Präsident ist ja auch bei den wöchentlichen Regierungsvorbesprechungen dabei. In der Kammer habe ich ihn bei Terminen vertreten, ihm zugearbeitet. Jetzt begegnen wir uns auf Augenhöhe. Ich glaube sagen zu können, dass ich mich ihm gegenüber emanzipiert habe.

Ihr Vorvorgänger, Ex-Wirtschaftslandesrat Ferdinand Eberle, hat „Im Zweifel für die Wirtschaft“ zu seinem politischen Credo erklärt. Wie lautet Ihres?

Zoller-Frischauf: Eberles Sager von damals ist sicher richtig und nicht zu toppen. Ich bin aber keine Sprücheklopferin, sondern eine harte Arbeiterin. Wir müssen die Wirtschaft bestmöglich unterstützen, beispielsweise indem wir uns darum bemühen, dass öffentliche Aufträge auch im Land bleiben. 98 Prozent der ausgeschriebenen Aufträge des Landes, das sind fast 100 Mio. Euro Auftragsvolumen, werden an heimische Unternehmer vergeben. Uns ist es gelungen, die Schwellenwerte dafür entsprechend zu erhöhen.

Wie groß ist der Einfluss einer Landesregierung auf das Wirtschaftsgeschehen? Wichtige politische Entscheidungen fallen doch eher in Wien oder Brüssel?

Zoller-Frischauf: Das ist schon richtig. Es geht darum, im Land eine positive Stimmung zu erzeugen und gleichzeitig Druck auf den Bund auszuüben. Im Falle der Steuerbelastung ist es wichtig, dass die Länder geeint gegen neue Steuern auftreten. Und die Lohnkosten müssen runter. Mangels eigener Steuerkompetenz sind die Länder hier aber nur Bittsteller.

Seit der heurigen Landtagswahl sind Sie nicht mehr für den Themenbereich Familie, Jugend, Senioren und Frauen zuständig. Haben Sie dieses Ressort freiwillig abgetreten?

Zoller-Frischauf: Freiwillig ist das nicht gewesen. Ich habe mich intensiv mit dem Familien- und Frauenthema beschäftigt, ich wollte da auch weitermachen. Doch es gab eine Protestwelle gegen mich, weil ich einem Frauenverein die Förderung für die Miete gekürzt habe, ich brauchte das Geld für eine Beratungsstelle. Ich würde das wieder tun.

Viele sehen in der neuen Ressortverteilung eine Degradierung Ihrer Person.

Zoller-Frischauf: Das stimmt nicht. Ich habe den Hochbau als Ressort dazubekommen. Frauen fördere ich weiterhin, etwa durch die Entsendung in Aufsichtsräte.

Das Gespräch führte Markus Schramek


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