Seehofer und Gabriel bei Merkel im deutschen Kanzleramt

Die Sondierung zwischen Union und Grünen lief besser als erwartet - damit bleiben alle Koalitionsoptionen bis nächste Woche auf dem Tisch. Am Dienstag wollen die Grünen eine Entscheidung treffen.

Berlin – Der Chef der deutschen Christsozialen Horst Seehofer und SPD-Chef Sigmar Gabriel sind am Freitag zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel ins Kanzleramt in Berlin gekommen. Die drei wollten weitere Optionen auf dem Weg zu einer Regierungsbildung in Deutschland ausloten.

Am kommenden Montag wollen CDU, CSU und SPD erneut im erweiterten Kreis von jeweils sieben Vertretern zu Sondierungsgesprächen zusammenkommen. Es wird erwartet, dass Merkel, Seehofer und Gabriel das Treffen vorbereiten wollen.

Bei den Sondierungsgesprächen wird in Deutschland ausgelotet, ob Koalitionsverhandlungen erfolgsversprechend sind. Die Entscheidung über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen soll nächste Woche fallen - am Dienstag treffen sich CDU und CSU auch mit den Grünen zu einem zweiten Gespräch.

Die Grünen wollen anschließend umgehend mitteilen, ob sie der Parteibasis die Aufnahme von Verhandlungen über eine „schwarz-grüne“ Koalition vorschlagen wollen.

Sowohl SPD als auch Grüne beraten am übernächsten Wochenende auf einem Parteikonvent beziehungsweise einem Parteitag die Lage. Eine der beiden Parteien muss dann entscheiden, ob ein Verhandlungsangebot von CDU-Chefin Merkel und CSU-Chef Seehofer angenommen wird. Bei der SPD sollen am Ende die rund 470.000 Mitglieder über einen möglichen Koalitionsvertrag entscheiden.

Die CDU/CSU hatte bei der Bundestagswahl am 22. September mit 41,5 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit der Mandate nur knapp verfehlt. Ihr Koalitionspartner FDP scheiterte aber an der Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament, so dass sie die christlich-liberale Koalition nicht fortführen kann. Der neue Bundestag wird sich am 22. Oktober konstituieren. Die Regierung Merkel kann über dieses Datum hinaus unbegrenzt geschäftsführend im Amt bleiben.

In der Frage der künftigen Regierung scheinen sich die Deutschen bereits entschieden zu haben: Nach dem ARD-Deutschlandtrend finden zwei Drittel der Deutschen ein Bündnis aus SPD und Unionsparteien gut oder sehr gut für das Land. Mit 66 Prozent liegt die Zustimmung für eine Große Koalition so hoch wie noch nie seit Beginn der Erhebung. Nur 33 Prozent der Befragten sehen diese Form der Regierungsbildung als weniger gut oder schlecht. Auch unter den Anhängern von SPD und Union ist die Große Koalition der Erhebung von Infratest dimap zufolge das beliebteste Bündnis mit 57 Prozent (SPD-Anhänger) und 60 Prozent (Unionsanhänger). (APA/dpa/Reuters)


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