„Wir lassen uns nicht ins rechte Eck rücken!“

Oswald Gredler wehrt sich gegen den Vorwurf, der Landestrachtenverband verherrliche ein nationalistisch geprägtes Wertesystem.

Von Mario Zenhäusern

Innsbruck –Den Vorwurf der „gezielten Heimattümelei“, erhoben vom Historiker Michael Wedekind in einem vom Land Tirol in Auftrag gegebenen Gutachten, will der Obmann des Tiroler Landestrachtenverbands, Oswald Gredler, nicht auf sich und „seinen“ Trachtlern sitzen lassen. Wedekind hatte sinngemäß gemeint, die Volkskulturverbände hätten „Anteil an der Mythisierung und Idealisierung nationalsozialistisch belasteter Künstler“.

„Wir distanzieren uns ganz klar von nationalsozialistischem Gedankengut“, stellt Gredler im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung unmissverständlich fest, „unsere Aufgaben sind die Pflege, Erhaltung und Weitergabe von Volkstanz, Tracht und Brauchtum. Wir sind nicht die Träger eines nationalistisch geprägten Wertesystems. Gegen diese durch nichts zu rechtfertigende Verdächtigung verwehren wir uns mit aller Deutlichkeit. Die Tiroler Traditionsverbände sind Wertegemeinschaften von Menschen, die unsere Volkskultur und unser Land lieben. Außerdem ist unsere volkskulturelle Arbeit nicht der Vergangenheit gewidmet, sondern unsere ehrenamtlichen Tätigkeiten sind zukunftsorientiert.“

So würden sich z. B. die Aktivitäten der Trachtenjugend nicht allein auf Tanzkurse beschränken. Vielmehr würden die Jugendlichen ihresgleichen mit einem erweiterten Freizeitangebot die Möglichkeit bieten, Gemeinschaftsbewusstsein und regionale Identität auf unterhaltsame Weise zu erleben. Gredler: „Es ist uns ein Anliegen, die Jugend in das soziale Leben einer Gemeinde zu integrieren. Außerdem versuchen wir immer wieder, über die regionalen Grenzen hinaus Kulturkontakte zu pflegen. Dass diese Programme angenommen werden, beweisen auch die vielen Kinder und Jugendlichen in unseren Vereinen und Verbänden.“

Die Trachtler von heute bezeichnet der langjährige Landesobmann als „weltoffene, soziale und tolerante Menschen“. Gredler hat auch keine Probleme damit, dort auf Distanz zu gehen, wo das notwendig ist, und dort für entsprechende Erklärungen zu sorgen, wo das angebracht ist (etwa in Bezug auf die Rolle des von Wedekind explizit erwähnten Karl Horak oder Gertrud Pesendorfer). Eine Pauschalverurteilung, wie sie Wedekind vornimmt, sei allerdings vollkommen inakzeptabel: „Wir lassen uns nicht ins rechte Eck rücken und wehren uns auch mit aller Vehemenz dagegen, dass die wertvolle Arbeit der Tausenden Mitglieder in ein schiefes Licht gestellt wird.“

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Gredler, der auch Mitglied im Tiroler Traditionsforum ist, zeigt sich im TT-Gespräch durchaus angriffig. Er sei froh und dankbar, merkt er zum Schluss an, „dass es in Tirol so viele Mitglieder in den Traditionsverbänden gibt, welche ehrenamtlich für unsere Volks- und Brauchkultur, unsere Heimat und für unser Land eintreten“. In vielen Berichten und Gutachten über Tirols NS-Vergangenheit beschleiche ihn hingegen das Gefühl, „dass es nicht mehr um die Sache selbst, nämlich die Aufarbeitung, geht, sondern dass die finanziellen Interessen bzw. das Streben nach finanziell lukrativen Aufträgen vordergründig sind. Hier wäre eine Anlehnung an die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder von den Traditionsverbänden wünschenswert.“


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