„Wir wollen im Unterhaus spielen“

Der FC Sans Papiers Innsbruck ist der erste Asylwerber-Fußballverein in Westösterreich. Was in Wien funktioniert, möchte Obfrau Angela Eberl nun auch in Tirol schaffen: die Aufnahme in den Ligabetrieb.

Von Benjamin Kiechl

Innsbruck –Ihre rote Wollmütze hat Angela Eberl tief ins Gesicht gezogen, der Wind pfeift unbarmherzig, und auch im Wacker-Zelt ist es nicht wirklich warm. „Wir holen das Spiel im Frühling nach“, betont die Obfrau des Flüchtlingsvereins FC Sans Papiers Innsbruck und Gemeinderätin in Innsbruck. Dem Freundschaftsspiel gegen eine Auswahl des FC Wacker (u. a. mit Trainer Roland Kirchler, Vorstandsmitgliedern und U18-Spielern) machte am Wochenende der Schnee einen Strich durch die Rechnung, der W1-Platz vor dem Tivolistadion war unbespielbar.

„Aber Roland (Kirchler, Anm.) hat mir versichert, dass er im Frühling beim Benefizspiel wieder dabei sein wird. Auch ein paar seiner Spieler, denn die wollen den Trainer schließlich kicken sehen“, erzählt Eberl mit einem Lächeln und zieht sich ins Wacker-Zelt zurück.

Unverrichteter Dinge mussten die Spieler des FC Sans Papiers (ohne Papiere, französisch) wieder vom Platz. Der Vereinsname ist bewusst gewählt: „Unsere Spieler stehen ohne Papiere da. Es sind alles Asylwerber zwischen 16 und 25 Jahren“, erklärt Eberl. Die jungen Männer kommen aus Afghanistan, dem Iran und dem Irak. „Wir sind der erste Fußballverein in Westösterreich, dessen Spieler ausschließlich Asylwerber sind.“ Drei Mal pro Woche trainieren die Flüchtlinge am Innsbrucker Besele, die Trainingsbeteiligung sei hoch. „Es kommen immer um die 20 Spieler“, weiß Eberl.

„Die Leute brauchen Struktur – und sie lieben Fußball“, meint sie. Was den FC Sans Papiers von anderen Tiroler Amateurvereinen unterscheidet, ist, dass jeder Spieler einen schweren Rucksack zu tragen hat: „Es geht vielen schlecht. Sie wachen jeden Tag in der Früh auf und wissen nicht, ob ihr Asylbescheid positiv oder negativ ausfallen wird“, erklärt Eberl. Ihr geht die Geschichte der Flüchtlinge sichtlich nahe. Warum sie sich für den Klub engagiert? „Ich habe mich auch schon in der Kindheit für die Schwächeren eingesetzt. Und fußballbegeistert bin ich auch“, unterstreicht sie.

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Seit Eberl vor einem halben Jahr im Verein das Zepter übernahm, hat sie ein Ziel: „Wir wollen im Fußball-Unterhaus spielen und uns mit anderen Vereinen messen“, sagt sie selbstbewusst. Ganz so einfach ist die Umsetzung jedoch nicht. „Klar ist, dass wir eine Ausnahmegenehmigung vom Tiroler Fußballverband brauchen werden.“

Einige Hürden müssten noch aus dem Weg geräumt werden. So fehlt dem Verein eine eigene Nachwuchsmannschaft. Dass es dennoch möglich sei, zeige ein Präzedenzfall in Wien. „Dort gibt es einen Asylwerber-Klub, der in der Liga spielen darf“, so Eberl.

Trainer Mario Bachlechner ist zwar erst seit zwei Wochen im Verein an Bord, unterstützt das Anliegen aber voll und ganz: „Wir spielen für Gleichheit und gegen Rassismus.“ Beim Tiroler Fußballverband, dessen Präsident Josef Geisler derzeit beim Nationalteam weilt, gibt man sich auf Nachfrage zurückhaltend. Der Zillertaler versicherte: „Ich werde mir die Sache nach meiner Rückkehr ansehen.“


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