„In meinem Alter fallen alle Zukunftsängste weg“

Christiane Hörbiger, die Grande Dame des österreichischen Films, feiert heute ihren 75. Geburtstag, zu dem sie sich Gesundheit wünscht.

Wien –„So glücklich wie jetzt war ich noch nie!“ Christiane Hörbiger ruht in sich. „Das ist der Vorteil des Alters, dass man schon glücklich ist, wenn man nur die Sonne aufgehen sieht“, lachte sie wenige Tage vor ihrem 75. Geburtstag, den sie heute feiert. Dabei hatte es die beliebte Fernsehschauspielerin als Tochter des legendären Schauspieler-Ehepaares Paula Wessely und Attila Hörbiger nicht immer leicht. Immer noch wird sie auf ihre berühmten Eltern angesprochen, was ihr nicht immer recht ist. Zu ihrem Geburtstag wünscht sie sich nur eines: „Dass alle gesund bleiben.“

Dass das nicht selbstverständlich ist, wurde ihr erst jüngst bei den Dreharbeiten zu einem Fernsehfilm bewusst, der am Montag seine ORF-Premiere feiert: In „Stiller Abschied“ gibt sie eine Firmenpatriarchin, die nach dem Tod ihres Mannes nicht nur vor den Trümmern ihres Lebens steht, sondern auch an Alzheimer erkrankt. Angst vor dem Alter hat Hörbiger dennoch nicht: „In meinem Alter fallen alle Zukunftsängste weg“, meint sie lakonisch. „Es gibt kein ständiges Glück, aber es gibt Glücksmomente.“ Derer hat die Grande Dame des österreichischen Films zu ihrer Zufriedenheit nach wie vor viele.

Trotz ihres Erfolgs vergisst Hörbiger aber auch nicht ihre Anfänge in den späten 1950er Jahren, die nicht gerade einfach waren. In ihrer zum 70. Geburtstag erschienenen Autobiografie „Ich bin der Weiße Clown“ rekapitulierte die 1938 in Wien geborene Hörbiger auf unterhaltsame Weise ihre Kindheit und Jugend, die auch von der Flucht nach Tirol gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt. Auf Wunsch der Eltern machte sie zunächst eine Zuckerbäckerlehre, doch 1955 entschied sie sich für die Schauspielkarriere. Auf Drängen ihrer Mutter besuchte sie das Reinhardt-Seminar, das sie allerdings für die Dreharbeiten zum Film „Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“, in dem sie Mary Vetsera spielte, abbrach.

Der große Durchbruch stellte sich allerdings erst in den 1980er Jahren mit der erfolgreichen TV-Serie „Das Erbe der Guldenburgs“ ein. Der überragende Erfolg mit der Serie „Julia“ öffnete Hörbiger zahlreiche weitere Türen. Und diese nützte sie in den vergangenen Jahren: So war sie etwa mit Nikolas Leytners Justizdrama „Die Geschworene“ oder Paul Harathers Thriller „Die Gottesanbeterin“ erfolgreich. Auch die Literaturverfilmung „Besuch der alten Dame“ brachte ihr viele Lorbeeren ein.

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Ihr Bühnendebüt als Recha in Lessings „Nathan der Weise“ am Burgtheater im Jahr 1959 verlief allerdings wenig glanzvoll. Sie erhielt vernichtende Kritiken und wechselte zwei Jahre später an die Städtischen Bühnen in Heidelberg. Über Salzburg, wo sie 1961 als Lottchen in Raimunds „Der Bauer als Millionär“ erstmals neben ihrer Mutter auf der Bühne stand, kehrte sie jedoch wieder ans Burgtheater zurück und spielte dort noch einmal die Rolle der Recha, diesmal mit großem Erfolg.

Dennoch verließ Christiane Hörbiger 1966 erneut ihre Heimatstadt, um dem unentwegten Vergleich mit den Eltern und Geschwistern – auch die beiden Schwestern Maresa Hörbiger und Elisabeth Orth schlugen die Bühnen- und Filmkarriere ein – zu entgehen. Ab 1967 gehörte die Schauspielerin dem Ensemble des Schauspielhauses Zürich an. Hörbigers Rollenrepertoire umfasste neben den Klassikern wie Lessing und Schiller auch moderne Bühnenautoren sowie die großen Repräsentanten der Wiener Theatertradition von Nestroy bis Schnitzler und Hofmannsthal.

Mitte der 1980er Jahre wagte Christiane Hörbiger mit der Hauptrolle in der Serie „Das Erbe der Guldenburgs“ den Sprung in die Fernseh-Unterhaltung. Seither wirkte Hörbiger in zahlreichen österreichischen und deutschen Spielfilmen mit. Glänzende Kritiken erhielt sie für ihre Darstellung der Freya von Hepp in Helmut Dietls preisgekrönter Satire „Schtonk“ über die gefälschten Hitler-Tagebücher. Weitere Filmerfolge waren „Tafelspitz“, „Lamorte“ und „Hunger“.

Hörbiger war in erster Ehe mit dem Regisseur Wolfgang Glück verheiratet. Ihr zweiter Mann und Vater ihres Sohnes Sascha, der Schweizer Journalist Rolf R. Bigler, starb 1978. Einen neuen Lebensgefährten fand die Schauspielerin im Wiener Regisseur und Autor Gerhard Tötschinger. Sie erhielt zahlreiche Preise, u. a. den Bayrischen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk, den Adolf-Grimme-Preis, den Karl-Valentin-Orden und den Ernst-Lubitsch-Preis sowie den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Schauspielerin Serie“ für ihre Rolle der „Julia“. 2004 wurde sie zur Kammerschauspielerin ernannt, 2009 folgte die Wiener Ehrenmedaille in Gold sowie im selben Jahr die „Romy“ für ihr Lebenswerk. Dass dieses noch nicht abgeschlossen ist, wird sie nicht müde zu betonen: „Ich kann nichts so gut wie Spielen“, sagte sie einmal zur Zeit. „Dann sollte man das auch tun, solange man kann. Und solange die Leute einen sehen wollen.“ (APA)


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