Ärztin verteidigt süchtige Mutter

Die behandelnde Ärztin der Drogenambulanz stellt sich vor eine Mutter, deren Baby ums Leben kam.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –„Die Schwangere freute sich auf ihr Kind und tat alles, um eine gute Mutter zu sein“, stellt sich eine Ärztin der Innsbrucker Drogenambulanz schützend vor eine Oberländerin: „Wir mussten die Patientin dazu drängen, Ersatzdrogen zu nehmen, um die drohende Frühgeburt hinauszuzögern.“ Der Tod des erst drei Monate alten Babys im September sei ein Unglücksfall gewesen.

Wie in der Vorwoche berichtet, untersuchen Gerichtsmediziner im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Todesursache. Die Mutter des Mädchens ist Patientin der Drogenambulanz, sie nimmt am Substitutionsprogramm teil. Entsprechend wurde auch untersucht, ob das drei Monate alte Baby mit Suchtmitteln in Berührung kam. Derzeit gibt’s darauf keine Hinweise, vielmehr scheint das Baby Opfer des „plötzlichen Kindstodes“ geworden zu sein.

„Das Mädchen war ein Wunschkind“, erinnert sich die Ärztin. Die Mutter habe trotz ihres Suchtproblems alles getan, um der Tochter einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. „Sie nahm nur die von der Drogenambulanz verabreichten Ersatzmittel, das beweisen auch Tests.“

Dass das Baby drei Monate zu früh das Licht der Welt erblickte, sei Schicksal gewesen, aber keine Folge der Substitution.

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Das ursprünglich nur 600 Gramm schwere Mädchen entwickelte sich gut, die Mutter kümmerte sich vorbildlich um die Kleine. „Sie fuhr zweimal täglich in die Klinik, um bei ihrem Kind zu sein“, erinnert sich die Ärztin.

Im September hatte sich das Mädchen so weit entwickelt und erholt, dass es aus der Neonatologie (Station für Frühchen) nach Hause entlassen werden konnte. Das Gewicht entsprach mittlerweile einem termingerecht geborenen Baby.

„Vorher verbrachte die Mutter noch eine Woche im Krankenhaus, um sich an den Alltag mit der Kleinen zu gewöhnen. Sie las sogar Bücher über Frühchen, um möglichst gut vorbereitet zu sein“, schildert ihre Ärztin. Entsprechend hatte auch die Jugendwohlfahrt keine Einwände, das Kind bei der Mutter zu lassen.

Doch das Schicksal zeigte sich erbarmungslos. Obwohl die Oberländerin auch in der Nacht regelmäßig nach ihrer Tochter sah, konnte sie den Tod des Mädchens nicht verhindern. Nur eine Stunde nach der letzten „Kontrolle“ musste die Mutter feststellen, dass das Baby nicht mehr atmete.

Die Frau versuchte, das Kind wiederzubeleben, die Rettung war schnell zur Stelle. Tatsächlich gelang es den Klinikärzten wenig später, den Kreislauf des Kindes wieder in Gang zu bekommen. Zu spät – die Schäden im Gehirn waren bereits zu groß, das Kind starb drei Monate nach der Geburt.


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