Sieben Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Syrien entführt

Wieder 200 Tote - Der syrische Nationalrat will nicht an der Genfer Friedenskonferenz teilnehmen.

Damaskus - In Syrien sind nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sieben humanitäre Helfer entführt worden. Die sechs IKRK-Mitglieder und ein Mitarbeiter des Syrischen Roten Halbmonds seien am Sonntag in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes von bewaffneten Männern verschleppt worden, sagte ein IKRK-Sprecher am Sitz der Hilfsorganisation in Genf.

Zuvor hatte das syrische Staatsfernsehen berichtet, „bewaffnete terroristische Banden“ hätten ein IKRK-Team beschossen und die Mitarbeiter entführt. Der Vorfall habe sich auf dem Weg zwischen Sarmin und Sarakeb im Nordwesten der Provinz Idlib ereignet. Große Teile der Provinz sind unter Kontrolle bewaffneter Rebellengruppen, darunter auch islamistische Milizen.

IKRK-Sprecher Ewan Watson betonte, die Identität der Entführer sei noch unklar. Die Organisation fordere die „sofortige, bedingungslose und sichere Freilassung“ ihrer Mitarbeiter. Es würden alle Kanäle genutzt „um herauszufinden, was geschehen ist, und sie heil zurückzubringen“. Zur Staatsangehörigkeit der Entführten machte der Sprecher keine Angaben.

Die Hilfsorganisation sei auf beiden Seiten der Front zwischen der Regierungsarmee des syrischen Machthabers Bashar al-Assad und den Rebellen aktiv, um humanitäre Hilfe zu leisten, sagte Watson. „Diese Art von Vorfällen kann unsere Fähigkeit untergraben, die Hilfsbedürftigen zu erreichen.“ Die Entführten hätten bei ihrem Einsatz am Sonntag in der Provinz Idlib Hilfsgüter an Krankenhäuser geliefert sowie den Bedarf an medizinischen Gütern in der Region ermittelt. Auf dem Rückweg nach Damaskus seien sie dann überfallen worden.

Am Sonntag hatte die Hilfsorganisation Roter Halbmond rund 1500 Menschen aus einem umkämpften Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus gerettet. Die Helfer holten nach eigenen Angaben vor allem Frauen und Kinder aus der belagerten Ortschaft Moadamiyet al-Sham südwestlich von Damaskus.

Eine politische Lösung des Syrien-Konflikts rückte indes weiter in die Ferne. Die größte oppositionelle Gruppierung sagte nämlich am Sonntag ihre Teilnahme an der für Mitte November geplanten internationalen Syrien-Friedenskonferenz ab. Der Präsident des Syrischen Nationalrats, George Sabra, sagte der Nachrichtenagentur AFP in Beirut, dass seine Gruppierung aus der Syrischen Nationalen Koalition austreten werde, sollte diese an den Genfer Friedensgesprächen teilnehmen. Vor dem Fall der Regierung Assad werde seine Gruppe nicht verhandeln, betonte Sabra mit Blick auf die Leiden der syrischen Bevölkerung.

Das Töten im Bürgerkriegsland ging unterdessen weiter. Nach Angaben von Aktivisten kamen am Wochenende bei Kämpfen, Bombardierungen und bewaffneten Übergriffen mehr als 200 Menschen ums Leben. Die Opposition warf dem Regime von Präsident Assad vor, nahe der Hauptstadt ein neues Massaker verübt zu haben. Syrische Soldaten - unterstützt von Anhängern der libanesischen Hisbollah und irakischen schiitischen Milizionären - hätten rund 130 Männer in der Nähe der Ortschaft Al-Dhiyabiya bei Damaskus getötet, sagte der Sprecher der Freien Syrischen Armee, Luai al-Mekdad.

Trotz eines Appells der Arabischer Liga und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) ist somit keine Waffenruhe zum wichtigsten muslimischen Feiertag, dem Eid al-Adha, in Sicht. Das Opferfest wird am Dienstag von Muslimen weltweit gefeiert. Seit Beginn des Bürgerkriegs zwischen Rebellen und der Regierungsarmee von Assad in Syrien vor zweieinhalb Jahren wurden mehr als 115.000 Menschen getötet. (APA/AFP/dpa)


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