Julian Assange: Medien sind korrumpiert

„Das trifft auf die ‚New York Times‘, den ‚Guardian‘ und die meisten großen Medien zu.“

© AP

London - Der Chef der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, geht nun auch auf Distanz zu den Medien, die er für seine Enthüllungen nützt. Die Medien seien „korrumpiert“, beklagte Assange in einem Telefoninterview mit der „Kronen Zeitung“ (Montagsausgabe). „Das trifft auf die ‚New York Times‘, den ‚Guardian‘ und die meisten großen Medien zu.“

Assange hat seine Enthüllungen über Exklusivkooperationen mit mehreren internationalen Medien, darunter die linksliberale britische Zeitung „Guardian“, gesteuert. „Guardian“ veröffentlichte auch die Enthüllungen des von Assange protegierten US-Aufdeckers Edward Snowden über das Spitzelprogramm des Geheimdienstes NSA.

„Jedes große Medium hat seine Agenden, denn hier gibt es viele Interessen. Herausgeber werden eingeladen, mit den wichtigen Leuten am selben Tisch zu sitzen, und dafür müssen sie Konzessionen machen. Das heißt, sie sind korrumpiert“, sagte Assange in dem aus der ecuadorianischen Botschaft in London geführten Interview. Dorthin hatte sich der australische Staatsbürger geflüchtet, um einer Auslieferung als mutmaßlicher Sexualverbrecher nach Schweden zu entgehen.

„Natürlich ist es schwierig, jeden Tag in denselben vier Wänden aufzuwachen, aber ich kann sehr viel und ungestört arbeiten“, sagte Assange zu seinem selbst gewählten Hausarrest. „Es war ein sehr kontraproduktives Manöver, mich hier einzusperren und mich zum Arbeiten zu zwingen“, sagte er an die Adresse seiner Gegner. Seiner Interviewpartnerin richtete er aus: „Auch Sie leben im Gefängnis, und meines ist besser als Ihres. Hier drinnen werde ich nicht von der Polizei verfolgt.“

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Das Urteil gegen den Wikileaks-Informanten Bradley/Chelsea Manning bezeichnete Assange als „unerhört“, da es „keine Beweise für Spionage“ gebe. Mit Edward Snowden sei er in Kontakt, berichtete der Australier. „Er hat noch immer Angst um seine Sicherheit“. Zugleich betonte Assange, dass durch seine Enthüllungen noch kein Mensch ums Leben gekommen sei. „Die US-Regierung hat nie gesagt, dass aufgrund meiner Veröffentlichungen Menschen zu schaden kamen.“ (APA)


Kommentieren


Schlagworte