Keine Insel könnte grüner sein

Mit den besten Piloten der besten Fluglinie auf die grünste Insel mit der schönsten Hauptstadt der Welt: Wie ein färöischer Fischer und Fußballfan seine Heimat erklärt.

Von Hubert Winklbauer

Thorshavn –Gestern war es so, wie es die Färinger gewohnt sind: überall Wasser. Rechts und links, wie es für Inseln eben so üblich ist. Und von oben feiner Nieselregen. Wie es sich für diese Jahreszeit auf den rund 1395 Quadratkilometern Grünfläche inmitten des Nordatlantiks gehört.

Für das heutige Länderspiel gegen Österreich (20.45 Uhr, ATV) wünschen sich die Anhänger noch Wind. So viel wie nur möglich. Und wenn es geht, von überall her. Der Wind ist der Verbündete ihrer Auswahlkicker. Dem Wind verdanken sie ihre besten Ergebnisse – nur 0:1 gegen Italien, nur 0:1 gegen Frankreich, nur 1:2 gegen die Schweden. Aber es gibt auch Momente, wo die Inselbewohner den Wind ganz und gar nicht mögen. Speziell wenn sie sich im Flugzeug auf dem Anflug zu ihrem kleinen schmucken Flughafen mit der kurzen Landebahn befinden. Über dem Atlantik brauen sich inzwischen mehr als doppelt so häufig schwere Stürme zusammen wie noch vor 100 Jahren – und die Ursache ist demnach vermutlich der Klimawandel.

Die erst nur leichten Vibrationen, die sich zwischendrin so anfühlten, als ob der Flieger Schüttelfrost hätte, hatten die Stimmung im Flugzeug verändert. Der Mahnruf aus dem Cockpit, sich anzuschnallen, das Stimmengewirr, ein paar werden jetzt erst langsam munter. Spürbare Nervosität, gebändigt durch den Glauben, dass die Piloten der Atlantic Airways, auf färöisch Atlantsflog, die Kapazunder ihrer Zunft sind, wenn dem Sturm Paroli geboten werden muss. Die besten Piloten der Welt seien das, wird Magnus, der gerade aufgewacht ist, später sagen. Er ist auf dem Heimflug von Irland. Seemann ist er. Einer der pendelt. Sieben Wochen ist er in den irischen Gewässern auf einem Fischkutter unterwegs, dann hat er sieben Wochen Heimaturlaub.

Zu zehnt sind sie. Allesamt Färinger, die sich für den vergleichsweise kargen Lohn die schweren Bedingungen der atlantischen Fischerei nicht mehr antun wollten: In Irland, sagt er, sei die See so eben wie das am Vordersitz angebrachte Tablett, auf dem ein großer Cognac steht. Der Atlantik sei wild. Zu wild schon für einen in seinem Alter.

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Österreich kennt er nicht, Landskrona schon. Aber er erwähnt das 1:0 seiner Landsleute ohne Häme. Das heutige Match wird er sich nicht anschauen. Er wohnt auf einer anderen Insel. Sein Sohn lebt in Thorshavn, der sei dabei. Und er hätte auch zu tun, rund ums Haus und drinnen auch. So, sagt er, sei er zu seinen vier Kindern gekommen. Bub, Mädchen, Bub, Mädchen – in dieser Reihenfolge. Wie es die Frau wollte. Alle würden von ihm daheim was wollen – nur der Hund nicht. Vielleicht freue er sich deshalb besonders auf ihn. Fußball schaut er im Fernsehen, selbst gespielt hat er kaum: „Hätten wir als Kinder elf gegen elf spielen wollen, hätten einige mit dem Schiff, andere mit dem Bus anreisen müssen.“ Aber er verstehe so viel, dass er weiß, dass Österreich heute siegen wird. Knapp, aber doch. Darauf sollte man einen trinken. Und dann noch einen.

Irgendwann war dann der Flieger nicht mehr angsteinflößend. Die Atlantic Airways hätten nicht nur die besten Piloten der Welt, so Magnus, man könne auch nirgendwo auf der Welt im Flieger so viel und so oft man will Alkohol bestellen. Und überdies sei Thorshavn die schönste Stadt der Welt und das schönste Grün gäbe es auch. Auf den fernen Färöer, wo dank der Kunst der Piloten die Landung so sanft war, als ob die Bahn mit Moos bepflanzt gewesen wäre …


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