Pflegegeld und dessen Missbrauch

Nicht immer wird das Pflegegeld zweckmäßig eingesetzt. Ruf nach mehr Kontrolle.

Innsbruck –Rund 21 Millionen Euro zahlte das Land 2011 an Pflegegeld, die Gemeinden schossen 11 Millionen Euro dazu, rund 550.000 Euro trugen Drittverpflichtete bei. Macht zusammen rund 33 Millionen Euro.

Während in Tirols Altenheimen die Pension und das Pflegegeld bis zu einem Restbetrag in die Betreuung fließen, wird bei der Pflege zu Hause das Pflegegeld nicht immer zweckmäßig verwendet. „Viele sehen im Pflegegeld eine Art Zusatzpension“, erklärt der Obmann der ARGE Mobile Pflege, Thomas Strickner. Er fordert, eine bessere Kontrolle der Pflegegeldbezieher durch die Behörden. „Dann wäre sichergestellt, dass das Pflegegeld auch in Pflegeleistungen investiert wird.“ In Tirol leisten die 62 Sozial- und Gesundheitssprengel mit ihren rund 1340 Mitarbeitern und 2200 Ehrenamtlichen Pflegedienste. Ein Viertel der geleisteten Stunden fließt in die Betreuung von Patienten in der höchsten Pflegestufe. 15 Prozent der Stunden werden für Menschen aufgewendet, die kein Pflegegeld beziehen, aber Unterstützung brauchen. Die Abschaffung des Kinderregresses habe sich in der mobilen Pflege nicht ausgewirkt, erklärt Strickner. Allerdings sei ein Trend zur Verwahrlosung und Vereinsamung festzustellen. „Das ist ein zeitgeistiges Phänomen.“

Die Arbeiterkammer hat sich 2008 massiv dafür eingesetzt, dass der Kinderregress abgeschafft wird. „Wir hatten Fälle, wo Angehörige mit der Pflege nicht zurechtkamen und aus Angst vor der finanziellen Belastung ihre Eltern nicht ins Altenheim brachten“, erklärt AK-Präsident Erwin Zangerl. Der Kinderregress sei unsozial, eine Wiedereinführung, in welcher Form auch immer, indiskutabel. „Außerdem gibt es den Partnerregress noch.“ Auch dieser gehöre abgeschafft. Die AK ist dafür, eine solidarische Pflegeversicherung oder eine Vermögenssteuer einzuführen. (aheu)

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