Kaunertal ist vorrangiges EU-Projekt

Umweltorganisationen kritisieren den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal, die EU-Kommission verschafft den Tiwag-Plänen aber Rückenwind.

Innsbruck –1,1 Milliarden Euro will der Landesenergieversorger Tiwag in den Bau des Pumpspeicherkraftwerks Kaunertal investieren. Das Umweltverträglichkeitsverfahren (UVP) wurde im Vorjahr eingeleitet, im heurigen Sommer wurde ein erster Zwischenbericht veröffentlicht. Dass dieser in Teilbereichen negativ ausfiel, nahm Tiwag-Vorstandsvorsitzender Bruno Wallnöfer zum damaligen Zeitpunkt des Verfahrens nicht weiter tragisch. Umweltorganisationen wie WWF oder die Initiative Lebenswertes Kaunertal fühlten sich jedoch in ihrer Kritik bestätigt. Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer steht dem Projekt ebenfalls überwiegend ablehnend gegenüber, vor allem gegen die Überleitung der Venter und Gurgler Ache hegt er schwere Bedenken.

In den vergangenen Monaten bemühte sich die Tiwag ihrerseits um die Aufnahme des Kaunertals auf die Liste von prioritären Energie-Infrastrukturprojekten der Europäischen Union. Die Verordnung dazu wurde bereits im April 2013 abgesegnet, neben einem gemeinschaftlichen Interesse garantiert die Verordnung konzentrierte und schnellere Verfahrensabläufe. Gestern wurde der Ausbau des Kaunertalkraftwerks gemeinsam mit 247 weiteren Vorhaben von der EU-Kommission als vorrangiges Projekt im Energiebereich definiert. Doch weil die UVP-Prüfung bereits seit 2012 im Gang ist, treffen die Verfahrenserleichterungen für das Kaunertal nicht zu. Doch damit hat die Tiwag gerechnet.

Tiwag-Vorstand Johann Herdina freut sich jedoch, „dass das Kaunertal im gemeinschaftlichen EU-Interesse ist. Das wird dann bei der Interessenabwägung relevant sein.“ Alle zwei Jahre wird die EU-Liste überarbeitet, „wir werden uns natürlich bemühen, dass unser Kraftwerksvorhaben im Kaunertal weiterhin prioritären Status genießt“, fügt Herdina hinzu.

Vier bis fünf Jahre werden die Genehmigungsverfahren dauern, letztlich wird die Interessenabwägung entscheidend sein. Für Umweltanwalt Johannes Kostenzer kommt es dann zur Nagelprobe. „Man kann davon ausgehen, dass das gemeinschaftliche in die Waagschale gelegt wird.“ (pn)

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