Ex-ORF-Chefin Lindner als „Wilde“ im Parlament

Die gebürtige Tirolerin Monika Lindner nimmt ihr Mandat an, sagte sie der TT. Sie will sich aber keinem Klub anschließen – nicht Stronach, aber auch nicht der ÖVP.

Monika Lindner.
© Thomas Böhm / TT

Sind Sie nach den jüngsten Ereignissen froh, nicht mehr bei Stronach zu sein?

Monika Lindner: Diese Frage stellt sich nicht. Ich war nach den Aussagen des früheren Klubobmannes so empört, dass ich ein Zeichen setzen musste. Das hat mich existenziell beschädigt. Da ist mir ein Insiderwissen umgehängt worden, das ich gar nicht habe. Ich hatte bei Frank Stronach klargestellt, dass diese Institutionen, die mit Menschen zu tun haben, mit denen ich befreundet bin, von meiner politischen Tätigkeit ausgeschlossen sind.

Lugar ist bei Stronach abgesetzt. Sie könnten zurück.

Lindner: Nein. Die Situation im Team Stronach ist unsicher. Da finde ich keinen Tritt. Die neue Klubchefin Kathrin Nachbaur hat mir angeboten, im Klub zu bleiben. Ich habe aber wegen der Äußerungen Lugars abgelehnt.

Nachbaur lässt durchblicken, Sie hätten zugesagt, das Mandat nicht anzunehmen?

Lindner: Ich sagte, ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Ich habe Nachbaur auch gesagt, dass ich das Mandat wenn dann als freie Abgeordnete annehme. Und sie hat dann gemeint, dass sie das sehr enttäuschen würde. Das kann ich weiter nicht kommentieren.

So wie unser politisches System aufgebaut ist, lässt sich aber schon argumentieren, dass Ihr Mandat der Liste Stronachs zustünde.

Lindner: Es war eine schwierige Entscheidung für mich, weil ich nicht auf unehrliche Weise ein Mandat an mich reißen wollte. Aber meine Rechtfertigung beziehe ich daraus, dass als freie Abgeordnete ja auch Anträge des Teams Stronach unterstützen kann, wenn ich sie für richtig halte.

Sie hätten aber kein Problem, auch anders abzustimmen als das Team Stronach?

Lindner: Nein.

Sie begründen Ihren Ausstieg bei Stronach mit den Aussagen Lugars. War es nicht naiv, zu glauben, Sie sollten nicht als Speerspitze gegen Pröll und Raiffeisen dienen?

Lindner: Ich kann nur sagen, das war so nicht abgesprochen. Und ich weiß, dass Frank Stronach das nicht tun würde. Er ist ein ehrenhafter Mann und verdient Respekt. Er hat einen ehrlichen Wunsch. Wie sich das dann entwickelt hat, ist eine andere Sache. Stronach war ja genauso entsetzt wie ich.

Haben diese Vorkommnisse zur Absetzung Lugars als Klubchef beigetragen?

Lindner: Das kann ich nicht beurteilen.

Haben Sie Frank Stronach persönlich mitgeteilt, dass Sie das Mandat annehmen?

Lindner: Frau Nachbaur ist neue Klubchefin. Ich hab das daher ihr mitgeteilt.

Sie gelten als ÖVP-nahe. Haben Sie bei der ÖVP um Aufnahme in den schwarzen Klub angeklopft?

Lindner: Selbstverständlich nicht. So geht’s nicht, dass man ein Mandat nimmt und dann sagt Adieu und woanders hingeht. Dass hielte ich nicht für sehr ehrenhaft. Aber als freie und unabhängige Mandatarin kann man ja jene Entscheidungen mittragen, die einem selbst wichtig sind und vernünftig erscheinen. Das können auch Anliegen des Team Stronach sein.

Hat umgekehrt die ÖVP bei Ihnen angefragt?

Lindner: Nicht wirklich. Es hat ein Gespräch mit Michaela Steinacker (Nummer zwei auf der ÖVP-Bundesliste, Anm.) gegeben. Mit ihr bin ich freundschaftlich verbunden. Aber das war es auch.

Sie wollen auch später keinem Klub angehören, sondern fünf Jahre als wilde Abgeordnete bleiben?

Lindner: Das habe ich vor.

Wie kamen Sie überhaupt zu Stronach und zum Einstieg in die Politik?

Lindner: Ich hatte schon bald nach dem Ausscheiden aus dem ORF Ende 2006 bei der ÖVP mein Interesse an der Politik deponiert. Aber da kam kein Angebot. Frank Stronach hat dann jemand gesucht, der einen Namen hat und unabhängig ist. Ich habe mir gedacht, gerade aus dem bürgerlichen Lager gibt es so viele Menschen, die viel kritisieren, sich aber nicht engagieren wollen. Ich finde das nicht in Ordnung. Jemand in meinem Alter, der keine wirtschaftlichen Probleme hat, sollte sich nicht aufs Kritisieren beschränken. Stronachs Programm wäre ja in vielen Punkten durchaus vernünftig und auch für viele Bürgerliche eine Alternative, um den Stillstand dieser zwei Großparteien zu beenden.

Was können Sie als freie Abgeordnete bewirken?

Lindner: Das werden wir sehen. Ich weiß, dass es für eine Unabhängige, die nicht aus einem Klub kommt, nicht einfach wird. Ich sehe das aber auch als Nagelprobe für das Parlament, wie man mit jemandem umgeht, der keinem Klubzwang verpflichtet ist. Letztlich ist es eine Chance, nicht nur für mich persönlich, sondern auch für den parlamentarischen Alltag.

Wie stehen Sie jetzt zu Erwin Pröll und Christian Konrad?

Lindner: Das steht überhaupt nicht zur Debatte. Das war immer ein freundschaftliches Verhältnis und hat mit Politik nichts zu tun.

Das Gespräch führte Wolfgang Sablatnig.


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