Libysches Al-Kaida-Mitglied soll in New York vor Gericht

Abu Anas al-Libi wurde vergangene Woche von US-Eliteeinheiten mitten in Tripolis verhaftet. Am Wochenende kam der 49-Jährige in New York an.

New York – Der in Libyen festgenommene mutmaßliche Al-Kaida-Terrorist Abu Anas al-Libi ist in den USA angekommen. Nach Mitteilung der US-Staatsanwaltschaft vom Montag wurde der 49-Jährige am Wochenende nach New York gebracht. Dort stehe er seit mehr als zehn Jahren unter Anklage, hieß es weiter. Bereits am Dienstag werde der mutmaßliche Terrorist laut der Mitteilung vor Gericht erwartet.

US-Eliteeinheiten hatten den Libyer am 5. Oktober mitten in der Hauptstadt Tripolis gefasst und auf das US-Landungs- und Dockschiff „USS San Antonio“ im Mittelmeer gebracht. Dort war er verhört worden. Wegen einer chronischen Erkrankung sei Al-Libi aber nun in die USA gebracht worden, zitierte die „Washington Post“ einen Regierungsbeamten. Auf dem Schiff habe er nicht die notwendige Behandlung bekommen können. Der 49-Jährige sei in New York zunächst in einer medizinischen Einrichtung versorgt worden.

Familie protestiert gegen Überführung in die USA

Nach Angaben seiner Frau leidet Al-Libi an Hepatitis C. Gelbsucht kann die Leber schädigen. Die Familie des mutmaßlichen Terroristen protestierte dagegen, dass er in die USA gebracht wurde. Er müsse jetzt einen Anwalt erhalten, forderte sein Sohn nach einem Bericht des Nachrichtensenders CNN.

Al-Libi wurde wegen der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 mit 224 Todesopfern international gesucht. Der Computerexperte war einer der meistgesuchten Terroristen weltweit. US-Experten erhoffen sich von ihm Insider-Informationen über das Terrornetz Al-Kaida.

Einige Experten äußerten laut CNN allerdings Zweifel daran, ob Al-Libi wirklich wertvolle Hinweise liefern könne. Es sei unwahrscheinlich, dass er noch eine aktive Rolle in der Organisation spiele. Seine Frau hatte gesagt, er habe Al-Kaida vor Jahren verlassen.

Die libysche Übergangsregierung hatte die Verschleppung von Al-Libi als Entführung bezeichnet und Aufklärung verlangt, die USA verteidigten die Aktion als legal. Die USA wüssten, dass Al-Libi eine Verschwörung geplant und mit ausgeführt habe, bei der Hunderte Menschen starben, darunter viele Amerikaner, hatte US-Präsident Barack Obama vergangene Woche gesagt. „Wir haben aussagekräftige Beweise dafür. Und er wird zur Rechenschaft gezogen werden.“ (APA/dpa)


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