Große Teile von Reutte sind jetzt in der roten Zone

Der Erdfall vom August im Mühler Feld blieb nicht ohne Folgen. Die Landesgeologen haben die Gipskarst-Gefahrenzone massiv erweitert.

Von Simone Tschol

Reutte –Gerade einmal zwei Monate ist es her, dass sich am Königsweg im Mühler Feld in Reutte ein großes Loch auftat – acht Meter im Durchmesser und rund sieben Meter tief (die TT berichtete). Zu sehen ist davon zwar inzwischen nichts mehr, die Auswirkungen sind jedoch beträchtlich.

Seit einigen Jahren beschäftigen die Gipskarstvorkommen die Landesgeologen. Der Gipskatasterkarten teilen die Gefahrenzonen in rote und gelbe Bereiche ein. Der Erdfall vom Königsweg fiel in eine gelbe Zone. Fiel – denn inzwischen wurde das gesamte Gebiet großflächig als rote Zone ausgewiesen. „Die Landesgeologie hat die Gefahrenbereiche aufgrund des Vorfalls neu definiert. Seit Anfang September gilt die neu überarbeitete Karte“, erklärt Bürgermeister Alois Oberer wenig enthusiastisch.

Kein Wunder: Die neue Karte weist große Teile der Marktgemeinde Reutte als rote, den westlichen Ortsrand als gelbe Zone aus. „Im Prinzip ist nur noch ein Teil der Tränkesiedlung, die Oberlüss und ein kleiner Bereich beim FMZ frei, alles andere ist in irgendeiner Zone“, konkretisiert Bauamtsleiter Helmuth Sonnweber. Die rote Zone reicht bis mitten ins Zentrum. Sogar der Bereich Lindenstraße/Kleinfeldweg/Isserplatz, der vorher gar nicht im Gefahrenplan aufschien, ist jetzt rote Zone.

Die Bauverfahren werden künftig umfangreicher, die Kosten für die Häuslbauer steigen. Sonnweber: „Die Geologen sagen, dass bei jedem Bauvorhaben in der roten Zone der Untergrund entsprechend seiner Größe mit Kernbohrungen zu ergründen ist. Pro Bohrung muss mit 10.000 bis 12.000 Euro gerechnet werden.“ Indirekt komme es auch zu einer Entwertung der Baugründe. Diese zu beziffern, sei schwierig.

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Die Gipskarstthematik ist auch einer der Schwerpunkte beim heute in Niederthai beginnenden 15. Geoforum. Auch Massenbewegungen wie der Felbertauern, der Bereich Grundwasser und natürlich auch Permafrost werden in den Vorträgen angesprochen.


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