Pater ruft zum Widerstand auf

Aus Südtirol kommen kämpferische Töne, die Schließung des Reuttener Klosters nicht einfach hinzunehmen. Pater Lorenz bietet an, sogar selbst Verantwortung zu übernehmen.

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Verbundenheit kann sich auch über eine Telefonnummer ausdrücken. Pater Lorenz Staud wurde zwar vor einem Jahr von seinem Orden von Reutte ins Franziskanerkloster Kaltern versetzt. Wer ihn erreichen will, braucht aber die Vorwahl für Italien nicht zu wählen. Unter seiner österreichischen Handynummer nimmt der Pater umgehend an und ist nach spontaner Freude über die alemannische Lautfärbung des Gegenübers schnell bei jenem Thema, das ihn persönlich so bewegt – die avisierte Stilllegung des Reuttener Franziskanerklosters Ende September 2014.

Die Ankündigung seines Provinzials überraschte ihn gleich wie die Reuttener Pfarrgemeinde. Pater Lorenz will diesmal aber nicht schweigen und ruft zum „positiven Widerstand auf. Ich will natürlich keine Revolution anzetteln, aber alles einfach so hinnehmen, das sollten die Reuttener nicht tun.“ Ihm ist bewusst, dass eine einmal getroffene Entscheidung der Franziskaner noch nie zurückgenommen wurde, „aber es gibt immer ein erstes Mal und ich werde um den Erhalt des Klosters kämpfen wie ein Löwe“. Wie nebenbei lässt er fallen, dass dies auch sein Sternzeichen sei. Als ob dies die Ernsthaftigkeit seines offenherzigen Widerstandes unterstreichen würde. Die Franziskaner hätten in Tirol im Ballungsraum Inntal mehrere Klöster, weitab aber nur dieses eine in Reutte und Lienz in Osttirol.Wo bleibe da die regionale Streuung?

In einer E-Mail an den Pfarrgemeinderat, Freunde und Bekannte in Reutte, die er im Betreff mit „Trauerbrief“ postuliert hat, nimmt er sich kein Blatt vor den Mund. „Mit großer Bestürzung und einer gehörigen Portion Unverständnis habe ich den Beschluss der Provinzleitung über die baldige Schließung des Klosters zur Kenntnis genommen. Vor allem verwundert mich das, weil davon nie die Rede war und voriges Jahr mit viel Mühe noch eine Mannschaft zustande kam. Sonst wäre mir der Weg (Abschied von Reutte – Anm. d. Red.) noch viel schwerer gefallen. Ich habe mein Unbehagen den Brüdern in allen Häusern unserer Provinz auch mitgeteilt“, erklärt der Geistliche offen.

36 Jahre war Pater Lorenz Staud in Reutte im Kloster, bevor er vor einem Jahr mit allen seinen Reuttener Mitbrüdern ausgetauscht und versetzt worden war und neue Franziskaner in Reutte unter der Leitung von Pfarrer Josef Höller einen Neustart beginnen mussten.

Pater Lorenz Staud macht via TT ein weitreichendes Angebot: „Ich bin zwar schon 66 Jahre alt und habe Gehorsam geschworen. Aber wenn ich dazu beitragen kann, dass das Kloster in Reutte weitergeführt werden kann, dann stelle ich mich zur Verfügung. Ich bin bereit nach Reutte zurückzugehen und Verantwortung zu übernehmen.“

Nachdem die Provinzleitung die Pfarre und das Kloster vor vollendete Tatsachen gestellt habe, müsse es auch die Berechtigung geben, hinterher in Unterschriften und Protestnoten der Wertschätzung der Brüder Ausdruck zu verleihen und dem Wunsch, dass sie bleiben könnten, schreibt er. „Ob die Entscheidung sich ändern oder aufschieben lässt, ist fraglich. Aber man ist zumindest nicht untätig gewesen. Natürlich wird es auch an den Brüdern in Reutte liegen, ob sie überhaupt weiter wollen. Schreibt am besten direkt an P. Provinzial Oliver, 5010 Salzburg, Franziskanerg. 5“, gibt der Pater gleich die punktgenaue Adresse für persönliche Unmutsäußerungen bekannt.

Pfarrgemeinderat Michael Schretter verweist auf Nachfrage der TT auf wenig erfolgreiche Versuche in der Vergangenheit, als etwa ganze Scharen unter der Führung von Alt-BM Siegfried Singer versucht hatten, den abberufenen Pater Raimund in Reutte zu halten. Nichts habe geholfen. „Die Art und Weise, wie sich jetzt Pater Lorenz outet, nötigt mir Respekt ab, das ist in so einem Orden sicher nicht üblich“, erklärt Schretter. Der Reuttener Pfarrgemeinderat hofft, dass alle Beteiligten eine „gute Lösung für die Zukunft finden, um das sehr bunte Pfarrleben aufrechterhalten zu können“.

Einen weiteren Aspekt in die Diskussion bringt Alt-BM Helmut Wiesenegg ein: „Die Gemeinde ist jetzt natürlich besonders gefordert. Unter anderem haben wir ja in meiner Ära die Rochuskapelle, die Kirche am Stein auf der Klause, die Florianskapelle und die Tränkekirche in Gemeindebesitz übernommen, um die Pfarre St. Anna lebendig zu erhalten.“


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