Geschichtsdetektive auf der Spur von 29.000 Flurnamen

Die Universität und das Land Tirol haben in den Bezirken Landeck und Imst alle Flurnamen erhoben. Mitgeholfen haben die Chronisten.

Von Paul Schranz

Landeck, Imst –Vor fünf Jahren hat das Land Tirol in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck das Projekt zur flächendeckenden Erfassung der alten Flurnamen gestartet. Inzwischen ist die Erhebung großteils abgeschlossen, in den Bezirken Landeck und Imst zu 100 %. „Einen wesentlichen Anteil daran hatten die Chronisten, die neben Gemeindemitarbeitern, Förstern und anderen Personen für die Sammlung zuständig waren und damit ein wichtiges kulturelles Erbe gesichert haben“, sagte Bernhard Mertelseder vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck, der das Projekt gemeinsam mit Gerhard Rampl betreut. Der Nutzen für die Allgemeinheit sei immens: Zum einen könne die Landesleitstelle bei Einsätzen und Suchaktionen auf die Daten zugreifen und zum anderen bestehe ein sprachwissenschaftliches Interesse. In naher Zukunft sei geplant, die Daten über das TIRIS allgemein zugänglich zu machen.

Insgesamt 28.769 Namen wurden in beiden Bezirken inzwischen gesammelt – 14.260 in Imst und 14.509 in Landeck, betont Mertelseder. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass Bezeichnungen, die beinahe vergessen waren, wieder im alltäglichen Leben Einzug halten. Auch bei jüngeren Generationen.

Bei den gesammelten Namen sind durchaus auch derbe dabei. Zum Beispiel kommen im Oberland viele mit „Scheiße“ vor, wie „Scheißrinne“ oder „Scheißgang“,erklärt der Wissenschafter. Womit aber nicht „scheißen“, sondern fallen lassen“ gemeint sei. Namen wie „Mörderbachl“ oder „Mörderbrückl“ weisen darauf hin, dass an der Stelle nicht nur ein Gewässer, sondern auch die Grenze zwischen niederer und hoher Gerichtsbarkeit – wo Mordsachen verhandelt wurden – verläuft. Am „Galgenbühel“ wurden dann meist die Urteile vollstreckt.

Lob und Anerkennung für die Arbeit der Chronisten kam auch vom St. Antoner Bürgermeister Helmut Mall, der 18 ehrenamtlich Tätige zum Erfahrungsaustausch in St. Anton begrüßen konnte. „Die Erfassung und Aufarbeitung des Dorfgeschehens ist eine unverzichtbare Leistung“, sagte Mall. „Ich habe mich in meiner Freizeit fast ausschließlich mit der Geschichte St. Antons befasst“, betonte der in Ludesch wohnhafte Heimatforscher und Buchautor Hans Thöni, der den Arlberg mit alten Aufnahmen vorstellte. Landeschronist Prof. Helmut Hörmann berichtete über Neuigkeiten vom Tiroler Bildungsforum und dankte den Chronisten „für die Spurensuche und Pflege der Erinnerungskultur“.

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