„Skischuh-Doktor“ befreit die beleidigten Zehen

Der Salzburger Franz Egger hat eine Skischuheinlage erfunden, die für eine exaktere Skiführung und entspannte Muskeln sorgen soll.

Dorfgastein –Hier ein Millimeter zu viel Luft, an der Ferse zu eng und der große Zeh schläft aus irgendeinem Grund jedes Mal nach der ersten Abfahrt ein. Der Skischuh, nirgends trifft die Qual der Wahl wortwörtlicher zu. Franz Egger, ein Sportartikelhändler in Dorfgastein im Salzburger Pongau, hat schon vielen Skifahrern bei diesem Leid helfen können. Viele nennen ihn deshalb einfach den „Skischuh-Doktor“.

Seit 37 Jahren fertigt der 65-Jährige Skischuhe nach Maß an. Er kann auch Elefantenfüße angenehm „verpacken“. Viele Händler bieten inzwischen diesen Service an, den sich die Kunden etwas mehr kosten lassen. Franz Egger hat noch einen Schritt weiter gedacht und spezielle Skischuheinlagen entwickelt, die ein komfortableres Fahren ermöglichen und vor allem die Kniegelenke schonen.

Im Vergleich zur herkömmlichen Skischuhbauweise sind bei so genannten „Easystand“ die Zehen höher gestellt als die Ferse. „Dadurch wird der Skifahrer in eine Vorlagestellung gebracht. Das führt zu einer exakteren Skiführung und zur besseren Kontrolle über die Skier“, schildert der Erfinder.

Seit vier Jahren feilt er an dem neuen System. „Der Schuh ist das wichtigste Element im Skilauf. Mehr als 80 Prozent der Skifahrer verwenden zu große Schuhe. Die Folge: Sie haben keinen Halt und sind unsicher unterwegs.“

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Der Pongauer setzte seine Idee, die im Laufe der Zeit immer konkreter wurde, in die Tat um: „Ich drehe den positiven in einen leicht negativen Sohlenstand um. Der Skifahrer fällt bei einem erhöhten Zehenstand nicht nach hinten, er geht automatisch in die Stellung, die er beim Skifahren einnehmen soll. Dieser Vorteil kommt auch dem Kinderskilauf zugute. Kinder fahren mit starker Rückenlage, und es gibt bis heute nachweislich keine geeigneten Skischuhe, diese Position zu korrigieren.“

Egger sieht noch weitere Vorteile: Exakter Fersensitz, höhere Zehenfreiheit, punktgenaue Schwungauslösung. „Waden- und Oberschenkelmuskulatur werden merklich entlastet, die Gelenke geschont.“ Im Fokus steht ein müheloseres Skifahren. Seine „revolutionäre Idee“ sorge für weniger Verletzungen und habe damit positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft, sind sich Egger und sein Unterstützer, der ehemalige Atomic-Geschäftsführer Ewald Fritz Schrempf, einig.

Sportmediziner der Uni Wien erstellen in der kommenden Wintersaison eine Studie über die positiven Auswirkungen von „Easystand“ auf den Bewegungsapparat. Zudem wertet die Skischuhfirma Head die Ergebnisse eines Skischuhtests vor zwei Wochen mit Profi-Skifahrern aus. Die Bewertung des Salzburger Berg- und Skiführers und Skilehrer-Ausbildners Gerhard Angerer fiel positiv aus: „Kommt der Skifahrer in die Rückenlage, bleibt der Druck auf der Sohle und er bringt den Ski noch um die Kurve. Bei einem herkömmlichen Schuh würde er viel leichter die Kontrolle über den Ski verlieren.“ Die Erfindung bringe große Vorteile in allen Leistungsklassen, von Kindern bis zu Experten.

Was dem Erfinder noch fehlt, ist der Abschluss eines Lizenzvertrages. „Wir haben schon mehrere Patente angemeldet. Ich bin zuversichtlich, dass eine große Firma dieses System übernimmt“, versprüht er Optimismus. Schon im vergangenen Winter wurden Tests mit Skischuherzeugern wie Head, Rossignol, Lange, Tecnica und Nordica durchgeführt. Für das erste mögliche Verkaufsjahr 2015/16 wird die erzielbare Absatzmenge auf 50.000 Paar geschätzt. Der Weltmarkt liege derzeit bei rund drei Millionen Paar, sagte Egger. (TT, APA)


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