Eine Wahl ohne Durnwalder

Südtirol wählt am 27. Oktober. Nach 24 Jahren im Amt kandidiert LH Luis Durnwalder nicht mehr. Die deutschsprachigen Oppositionsparteien wollen die SVP unter die Absolute drücken.

Südtirols früherer Landeshauptmann Luis Durnwalder.
© TT/Thomas Böhm

Von Peter Nindler

Bozen –Verstrickt in innerparteiliche Macht- und Grabenkämpfe über die Nachfolge des scheidenden Landeshauptmanns Luis Durnwalder und verwickelt in den Skandal um den Landesenergieversorger SEL AG, der zur Verurteilung von Ex-Landesrat Michl Laimer geführt hat, dazu noch Freunderlwirtschaft: Der Südtiroler Volkspartei (SVP) drohte zu Jahresbeginn 2013 ein massiver Absturz in der Wählergunst. Das Edelweiß begann zu welken, selbst Durnwalders Strahlkraft konnte die Sammelpartei nicht mehr aufpolieren. Denn schließlich wurde anklagend vom System Durnwalder gesprochen. Die Basis machte den seit 24 Jahren amtierenden Landeschef mitverantwortlich für die Zustände in der Partei.

Zehn Monate später sieht die Welt für die SVP wieder freundlicher aus, weil Durnwalders Nachfolge geklärt ist und SVP-Spitzenkandidat sowie Gemeindeverbandspräsident Arno Kompatscher nicht nur Tritt gefasst hat, sondern als Signal der Erneuerung wahrgenommen wird.

Trotzdem: Die Landtagswahl Ende Oktober beendet nicht nur die Ära Durnwalder, sie könnte auch eine politische Zäsur sein. Obwohl die SVP zuletzt wieder Aufwind verspürt hat, die absolute Mehrheit hängt bereits seit 2008 an einem seidenen Faden. Damals erreichte die Partei mit 48,1 Prozent das historisch schlechteste Ergebnis bei einem Urnengang im Land. Vor allem die deutschsprachigen Oppositionsparteien wie Freiheitliche, Süd-Tiroler Freiheit und die Union, die diesmal in einem Wahlbündnis kandidiert, schicken sich an, die SVP unter die Absolute zu drücken.

Die Freiheitlichen sehen sich dabei als erster Herausforderer bei der deutschsprachigen Wählerschaft. 15,9 Prozent konnten sie bei den Parlamentswahlen im Februar erringen, am 27. Oktober sollen es noch mehr sein. Während sich die SVP für eine Vollautonomie Südtirols mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik ausspricht, forcieren Freiheitliche und Süd-Tiroler Freiheit angesichts der wirtschaftlichen und politischen Probleme Roms eine Loslösung des Landes von Italien. Von Freistaat (Freiheitliche) über die Rückkehr zu Österreich (Süd-Tiroler Freiheit) und Vollautonomie (SVP) reichen die politischen Zukunftsszenarien südlich des Brenners. Wobei das Tauziehen zwischen Bozen und Rom über Eingriffe in die Finanzautonomie zu heftigem Streit geführt hat. Erst seit Enrico Letta als Ministerpräsident die Regierung führt, hat sich die Situation entspannt. Bei den Parlamentswahlen ist die SVP ein Bündnis mit Lettas Linkspartei PD eingegangen.

Wie schon bei den vergangenen Landtagswahlen baut die SVP diesmal erneut auf den Brückenschlag zur italienischsprachigen Bevölkerung. Durnwalder sicherte sich 2008 Tausende „italienische“ Stimmen und damit die Absolute. Italienische Kandidaten finden sich aber weiterhin nicht auf der SVP-Liste.

14 Parteien bewerben sich um 35 Landtagsmandate. Die Parteienlandschaft ist nicht nur bei den deutschsprachigen Partein zersplittert. Neben Berlusconis PdL, der PD und der Lega Nord hofft auch die rechtsgerichtete Unitalia auf einen Wiedereinzug. Die Grünen wiederum erwarten sich Rückenwind aus Nordtirol und peilen Platz drei an.

Für Durnwalder heißt es langsam, aber sicher, sich von der (All-)Macht zu verabschieden. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ging ohne den heute 72-Jährigen in Südtirol nichts, mit ihm fast alles. Fünf Mal war er Spitzenkandidat seiner Partei, das erste Mal 1989.Der aus Pfalzen stammende Durnwalder war nie Obmann der SVP, aber immer ihr Chef. Für viele Südtiroler ist eine Landtagswahl ohne ihren „Luis“ nicht vorstellbar, aber spätestens auf dem Wahlzettel am 27. Oktober Realität.


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