UNO-Studie mahnt zu mehr Unterstützung für Flüchtlinge

Nachholbedarf bei der Integration von Flüchtlingen in Österreich sieht eine neue Studie des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), die am Mittwoch in Wien vorgestellt wurde.

Wien – Mit der Frage, was die Integration von Flüchtlingen in Österreich fördert bzw. hemmt, beschäftigt sich eine neue Studie des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR), die am Mittwoch in Wien vorgestellt wurde. Die wichtigsten Erkenntnisse und Forderungen laut Autorin Haleh Chahrokh: Der Spracherwerb sollte früher ermöglicht werden, es brauche eine individuelle Integrationsunterstützung unter anderem bei der Wohnungssuche, und subsidiär Schutzberechtigte sollten anerkannten Flüchtlingen gleichgestellt werden.

Fehlendes Datenmaterial

Als generellen Mangel konstatiert die Studie das Fehlen flüchtlingsbezogener Daten in Sachen Integration. Migranten an sich seien zwar gut untersucht, der Fokus liege aber immer nur auf der Herkunftsregion. Chahrokh forderte Längsschnittstudien, was Heinz Faßmann, Vizerektor der Uni Wien und Vorsitzender des Expertenrates für Integration, in der Diskussion nach der Präsentation enthusiastisch unterstützte. Er sprach sich für eine Panelstudie aus, in der eine Kohorte von Asylwerbern über fünf Jahre beobachtet werden sollte.

In der UNHCR-Untersuchung – eine qualitative Studie, für die 84 Flüchtlinge befragt, Literatur analysiert und Akteure aus der Flüchtlingsbetreuung zugezogen wurden – kristallisierten sich Beschäftigung, Wohnen und Bildung als Kernthemen heraus. Typische Faktoren waren Traumatisierungserfahrungen und die Trennung von der Familie, das Warten während des Asylverfahrens, das Fehlen von Dokumenten, die Übergangsphase nach der Anerkennung sowie Sprache und Gesundheit.

Ähnliche Studien wurden mit Unterstützung des Europäischen Flüchtlingsfonds auch in Frankreich, Irland und Schweden durchgeführt. Vergleichsdaten lagen aber nicht vor.

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Gleichstellung gefordert

Chahrokh sprach sich dafür aus, den Spracherwerb von Anfang an zu unterstützen und sich die Wohnverhältnisse vor allem bei den nicht als Flüchtlinge anerkannten subsidiär Schutzberechtigten besonders anzusehen. Die Gleichbehandlung der Schutzberechtigten forderte sie ebenso wie der Leiter des UNHCR-Österreich-Büros Christoph Pinter.

Christoph Riedl vom Diakonie-Flüchtlingsdienst verlangte zudem eine Standardisierung zwischen Bund und Bundesländern. Derzeit setzten manche Bundesländer darauf, dass sich die Flüchtlinge möglichst schnell Richtung Wien - und damit oft in die Obdachlosigkeit - verabschiedeten. (APA/tt.com)


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