ÖSV-Adler nicht nur auf Olympia fokussiert

Neben Medaillen in Sotschi soll auch der verlorene Nationencup wieder erobert werden.

Schwechat – Erstmals seit acht Jahren gehen die österreichischen Skispringer nicht als Nummer-1-Nation in den Winter. Die Rückeroberung des knapp an Norwegen verlorenen Topstatus steht in der in sechs Wochen beginnenden Saison mit Olympischen Spielen zwar nicht an erster Stelle, eine Frage der Ehre ist sie aber allemal.

„Den Nationencup wollen wir uns natürlich zurückholen, das ist klar“, bekräftigte ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner am Mittwoch in Schwechat. Mit der Vierschanzen-Tournee, dem Skifliegen am Kulm und natürlich Olympia gebe es freilich auch „große Ereignisse“, bei denen man wieder zuschlagen will, so Pointner. „Ich bin überzeugt, dass uns das gelingen wird“, meinte der Erfolgstrainer. Die „Hausaufgaben“ im Sommer habe man jedenfalls sehr gut erledigt.

Schlierenzauer richtet alles auf Gold aus

Jetzt gelte es die Tanks bis zum Weltcup-Auftakt in Klingenthal und dann auch punktgenau zu Olympia aufzufüllen, spielte Pointner in der OMV-Raffinerie auf den gastgebenden Sponsor an, der seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat.

Gregor Schlierenzauer hat mit dem noch fehlenden Einzelolympiasieg ein erklärtes Ziel vor Augen. „Es ist alles auf Olympia ausgerichtet“, betonte der Tiroler. Auf dem Weg dorthin wolle er selbstverständlich auch im Weltcup und bei der Vierschanzen-Tournee glänzen, wo er jeweils Titelverteidiger ist.

Pointner stellte klar, dass das Team Olympiamedaillen holen will und soll. Für Schlierenzauer gehe es um Gold. „Wir haben einen Sportler im Team, der dieses Ziel vor Augen hat, die anderen haben aber auch Chancen auf Medaillen oder den Sieg“, sagte er. Aufgrund der oftmals demonstrierten Stärke brauche man auch gar nicht tiefzustapeln. Deshalb wird auch der neuerliche Team-Olympiasieg angestrebt. „Wir werden sicher nichts herschenken“, versprach Pointner.

Morgenstern will nach Rückschlägen zurück

Abgesehen von Saisondominator Schlierenzauer haben die anderen ÖSV-“Adler“ einiges gutzumachen. Der einstige Seriensieger Thomas Morgenstern will nach einem Jahr mit privaten und sportlichen Tiefschlägen bis Sotschi wieder dorthin, wo er beim Olympiatriumph 2006 in Turin schon war. „Das war keine einfache Situation und eine schwere Zeit. Ich bin an meine Grenzen gekommen“, erzählte Morgenstern, der als einziger ÖSV-Springer keine Sommerwettkämpfe bestritten hat.

Nach seiner Knieverletzung bei der WM und einer Nebenhöhlenoperation bestehe schlicht und einfach noch Nachholbedarf. „Den Rückstand aufzuholen braucht Zeit. Aber jetzt bin ich wieder hungrig. Das Monat bis zum Weltcupauftakt brauche ich aber noch“, erklärte der Jungvater.

Kofler hingegen präsentierte sich schon zuletzt bei den Staatsmeisterschaften in starker Frühform und holte beide Titel. Wie Morgenstern war auch er stark in den vergangenen Winter gestartet, dann ging es aber auch bei ihm bergab. Deshalb beschritt er im Sommer neue Wege und verabschiedete sich aus der Stützpunkttrainingsgruppe um Schlierenzauer. Das zahlte sich offenbar aus. „Die beiden Meistertitel waren eine tolle Bestätigung für die Arbeit im Sommer“, sagte Kofler und hofft auf die Konservierung seiner guten Verfassung bis zum Auftakt in Klingenthal.

Noch Reserven bei Iraschko

Im Lager der ÖSV-Damen steht der Weg zu den ersten Olympischen Spielen ganz im Zeichen des Comebacks der Teamleaderin nach ihrer Knieverletzung. Die seit ihrer Verpartnerung als Daniela Iraschko-Stolz antretende Ex-Weltmeisterin hat noch zwei Wochen mehr Zeit als die Herren, ehe es in Lillehammer los geht.

Die zusätzlichen Trainingstage kann sie gut gebrauchen. Die ersten Sprünge seien schon vielversprechend gewesen, berichtete sie. „Ich bin acht Monate nicht gesprungen. Jetzt passt aber alles, es geht voran. Ich habe noch Reserven, das wird bis zum Winter aber wieder werden“, sagte Iraschko-Stolz. Auch sie erhofft sich in Sotschi Edelmetall. „Schon der Start bei Olympia ist immer ein Traum gewesen. Vielleicht kann ich mich ja selbst beschenken.“

Auf dem Materialsektor ist vorerst nichts Bahnbrechendes zu erwarten. Ein vom norwegischen Team neu entwickelter Schuh wurde von der FIS zwar bewilligt, ob und wann er eingesetzt wird, ist aber fraglich. Auch im ÖSV habe man diesbezüglich keineswegs geschlafen und hinter verschlossenen Türen fleißig getüftelt, versicherte Pointner. (APA)


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