Internetsucht: Immer mehr Tiroler Jugendliche betroffen

Während Nikotin- und Alkoholkonsum immer mehr zurückgehen, nimmt die Internetsucht zu. Das Jugendrotkreuz sieht Handlungsbedarf und setzt auf seine Präventionsarbeit, die in diesen Tagen 25-jähriges Jubiläum feiert.

Innsbruck - Unter 100 Jugendlichen besitzt nur einer kein Smartphone. Mit ihrer Vielfalt an Applikationen entwickeln sich Smartphones immer mehr zum gemütlichen Couch-Computer. Aber auch die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Elf- bis 18-Jährigen einen eigenen PC besitzen, stimmt Suchtexperten kritisch.

Im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich 25 Jahren Suchtprävention an Tirols Schulen am Mittwochvormittag in der Volksschule Arzl gab Gerhard Gollner, Leiter der Fachstelle kontakt+co „Suchtprävention“ des Jugendrotkreuzes, jüngste Erkenntnisse und Entwicklungen zum Konsum- und Suchtverhalten Tiroler Kinder und Jugendlicher bekannt. Gemeinsam mit Bildungslandesrätin Beate Palfrader und Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg betonte er einmal mehr die Wichtigkeit der Präventionsarbeit in Tirol.

Pädagogen als Multiplikatoren

„Dass wir heute in einer Volksschule sind, ist kein Zufall“, gibt Palfrader gleich zu Beginn zu verstehen und verwies darauf, bei der Vorsorge frühestmöglich anzusetzen. Auch sei es wichtig, langfristige Maßnahmen zu setzen.

Persönlichkeitsbildung sei laut Jugendrotkreuz das A und O, wenn es darum gehe, schwierige Situationen positiv zu bewältigen und somit Suchtverhalten gar nicht erst zuzulassen. Lehrer spielen bei der Präventionsarbeit neben den Eltern eine zentrale Rolle und fungieren als Multiplikatoren und Vermittler. Derzeit nehmen über 500 Lehrpersonen aus über 250 Schulen an den Präventionsprogrammen „Eigenständig werden“ für Volksschulen und „plus“ für die fünfte bis achte Schulstufe teil. Durch explizite Experteneinsätze können zudem 15.000 Schülerinnen und Schüler in den achten Klassen erreicht werden.

Klare Tendenzen

Kontakt+co-Leiter Gollner gewährte auch einen Einblick in die Praxis und ließ verlauten, dass Konsumtrends in den Bereichen Alkohol und Rauchen in Summe zwar zurückgehen, der Suchtfaktor Internet aber immer mehr ins Zentrum rücke. So gaben in einer Jugendrotkreuz-Studie 57 Prozent der 14 Jährigen an, niemals Alkohol zu konsumieren. Rund 6 Prozent rauchen bis zu zwei Zigaretten pro Tag, 88 Prozent ziehen den Glimmstängel aber nie in Erwägung. Vor allem die Entwicklung des Nikotinkonsums bei Männern spricht eine klare Sprache: Während 1972 noch jeder Zweite rauchte, dürften es 2020 nur mehr 10 Prozent sein. Was den Drogenkonsum angeht, gilt Cannabis nach wie vor als Modedroge Nummer eins unter den Jugendlichen: 21 Prozent der 15- bis 19-Jährigen konsumieren die illegale Substanz regelmäßig.

Tirol ist vor allem in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung österreichweit an der Spitze und bietet ein breites und vielfältiges Vorsorgeprogramm. Das Jugendrotkreuz unterstützt Schulen dabei, suchtpräventive Maßnahmen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern umzusetzen. (tasto)


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