Zeit des Kommens und Gehens im Hohen Haus

Ein Drittel der Abgeordneten wird bei der konstituierenden Sitzung erstmals im Plenum Platz nehmen. Ein Drittel aller Mandatare ist weiblich.

Wien –Am 29. Oktober wird der neu gewählte Nationalrat erstmals zusammentreten. An diesem Tag wird wohl die neue Bundesregierung noch nicht angelobt sein, deshalb wird es im Parlament auch nach der konstituierenden Sitzung noch zu einem Sesselrücken kommen. Wer wird künftig Platz auf der Regierungsbank nehmen, bekleidet die Ministerin, der Minister ein Abgeordnetenmandat, wer rückt also nach?

Doch schon heute kann gesagt werden, dass ein Drittel der 183 Nationalratsabgeordneten erstmals im Plenum Platz nehmen werden.

Den größten Austausch gibt es bei der ÖVP. Bekannte und erfahrene Mandatare wie Fritz Neugebauer, Günther Stummvoll oder Martin Bartenstein kandidierten nicht mehr. Andere erhielten wiederum keinen Listenplatz, ein paar scheiterten am Wähler. Nach derzeitigem Stand werden im Klub der Volkspartei (abgesehen von den Regierungsmitgliedern) fürs erste 14 Neue einziehen, darunter auch Generalsekretär Hannes Rauch. Der Tiroler kandidierte auf der Bundesliste. Die Zahl könnte sich noch auf 17 erhöhen, wenn Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich, Finanzministerin Maria Fekter und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle – wie gemutmaßt – der nächsten Regierung nicht mehr angehören und ihr Mandat annehmen.

Bei der SPÖ gibt es zahlreiche unfreiwillige Abgänge erfahrener Mandatare, etwa von Johann Maier und Sonja Ablinger. Von sich aus nicht mehr kandidiert hatten Kurt Gaßner, Renate Csörgits und Wilhelm Haberzettl. Die Regierungsmitglieder abgezogen, kommen 13 Neue zum Zug. Unter ihnen die Chefin der Jungen Generation, Katharina Kucharowits, und der Gewerkschafter Rainer Wimmer.

Die FPÖ hat trotz ihres Zugewinns auch Abgänge zu verzeichnen. Martin Graf hat ebenso nicht mehr kandidiert wie Alois Gradauer und Heidemarie Unterreiner. Martin Strutz ging leer aus. Neu ins Hohe Haus kommen 13 blaue Mandatare, darunter die Tochter von Ex-Vizekanzler Norbert Steger, Petra. Väterlich vorbelastet ist auch Wendelin Mölzer. Neben der gescheiterten niederösterreichischen Landesparteiobfrau Barbara Rosenkranz wird auch der frühere Tiroler FPÖ-Chef Gerald Hauser ins Parlament zurückkehren.

Bei den Grünen hat Kurt Grünewald nicht mehr kandidiert und Karl Öllinger kein Mandat mehr ergattert. Dafür hat der Klub sechs neue Gesichter. Allein drei davon kommen aus Tirol. Neben dem langjährigen Tiroler Grünen-Chef Georg Willi zieht mit Aygül Berivan Aslan die erste kurdisch-stämmige Abgeordnete in den Nationalrat ein. Ebenfalls aus Tirol stammt die ehemalige ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer. Erstmals im Parlament Platz nehmen wird die bekannte Psychotherapeutin Eva Mückstein.

Beim Team Stronach sind nur Martina Schenk, Christoph Hagen und Ex-Klubobmann Robert Lugar übriggeblieben. Die übrigen sieben Abgeordneten um Klubobfrau Kathrin Nachbaur und Frank Stronach sind neu.

Parlamentarische Neueinsteiger sind die neun Neos. An ihrer Spitze steht Klub- und Parteichef Matthias Strolz, ihm zur Seite als Stellvertreterinnen Beate Meinl-Reisinger und Angelika Mlinar. Mit Letzterer feiert das Liberale Forum ein Comeback im Nationalrat.

Etwa 60 Abgeordnete im neuen Parlament dürften weiblich sein, was knapp einem Drittel entspricht. Die besten Quoten weisen Grüne und Team Stronach auf. Erstere haben sogar eine weibliche Mehrheit, im Stronach-Klub sind 40 Prozent Frauen. Die SPÖ dürfte auf 35 Prozent, die ÖVP auf 30 Prozent kommen. Bei den Neos zeichnet sich eine Frauenquote von 22 Prozent ab. Schlusslicht bildet die FPÖ mit 17,5 Prozent. (misp)


Kommentieren


Schlagworte