US-Budgetstreit: Anleger bleiben trotz Einigung skeptisch

Obwohl in letzter Minute eine Einigung im US-Budgetstreit erzielt wurde, bleiben Investoren dennoch skeptisch. Denn: Der erzielte Kompromiss ist nur eine vorläufige Lösung.

Die New Yorker Börse
© EPA/PETER FOLEY

Frankfurt am Main/Washington - Der lang ersehnte Kompromiss im US-Etatstreit ist gefunden, doch die Erleichterungsrally an den internationalen Märkten ist ausgeblieben. „Die Einigung war erwartet worden - die Börsen sind in den letzten Tagen ordentlich gestiegen und nun nutzen die Anleger die Gelegenheit, ihre Gewinne mitzunehmen“, sagte Philippe Gijsels, Analyst bei BNP Paribas Fortis Global Markets.

„Märkte werden Washington genau beobachten“

Der deutsche Leitindex DAX verlor am Donnerstag 0,7 Prozent auf 8.783 Zähler, nachdem er zuletzt von einem Rekord zum anderen geklettert war. In den letzten fünf Handelstagen summierte sich das Plus an der Frankfurter Börse auf fast 4 Prozent. Der EuroStoxx50 gab nach seiner jüngsten Rally ebenfalls 0,7 Prozent nach.

In den USA hatten sich Demokraten und Republikaner in der Nacht doch noch auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze und einen Übergangsetat verständigt. Die drohende Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft ist damit abgewendet und die seit 16 Tagen teilweise geschlossenen Bundeseinrichtungen können wieder öffnen. Investoren blieben aber skeptisch, weil es sich bei dem nun erzielten Kompromiss nur um eine vorläufige Lösung handelt. Bereits Anfang 2014 könnte es im Kongress zu einer Wiederauflage des Schlagabtauschs kommen.

Das grenzenlose Vertrauen der Marktteilnehmer in die Kreditwürdigkeit der USA wurde beschädigt.
Helaba-Analyst Ulrich Wortberg

„Die Märkte werden (...) vermutlich nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen, sondern Washington genau beobachten“, prognostizierten die Experten der Essener National-Bank. Da die Republikaner bei den Gesprächen eine schwere Niederlage hinnehmen mussten, dürften die künftigen Verhandlungen ebenfalls zäh verlaufen, schreiben sie in einer Kurzstudie. Als Zugeständnis für das Einlenken im Haushaltsstreit scheiterten die Republikaner mit ihrem Versuch, die Gesundheitsreform des US-Präsidenten in wesentlichen Teilen auszuhebeln.

Dollar konnte nur kurzzeitig profitieren

Deutlich wurde die Skepsis vor allem am Devisenmarkt: Der Dollar konnte nur kurzzeitig von der Einigung im Etatstreit profitieren. Er verlor 0,9 Prozent auf 97,89 Yen, nachdem er zunächst auf ein Drei-Wochen-Hoch von 99,01 Yen gestiegen war. Auch zum Euro verlor der Greenback an Boden - die Gemeinschaftswährung kostete mit 1,3637 Dollar so viel wie seit Anfang Oktober nicht mehr.

Für Amerika sei es durch das nervenaufreibende Tauziehen um den US-Haushalt zu einem Imageschaden gekommen, urteilte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. „Das grenzenlose Vertrauen der Marktteilnehmer in die Kreditwürdigkeit des Landes wurde beschädigt - auch vor dem Hintergrund, dass erneute Streitigkeiten zu erwarten sind“, schrieb er in einem Kommentar.

Am Rohstoffmarkt blieb die Freude über den US-Deal ebenfalls aus: Die Preise für Kupfer und Öl gaben nach, das als sicherer Hafen geltende Gold war dagegen gefragt. Der Preis für das Edelmetall kletterte um mehr als zwei Prozent auf 1.309 Dollar je Feinunze. (APA/Reuters)


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