Rettungsautos sind zu schwer

Hiobsbotschaft für die Rettung: Rund 100 Einsatzfahrzeuge müssen neu typisiert werden, weil sie bei Vollbesetzung überladen unterwegs sind.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Tirols Rettungsfahrzeuge sind zu schwer. Und zwar immer dann, wenn die Autos mit sechs (kräftigen) Personen voll besetzt sind. „Das wissen wir seit etwa einer Woche“, bestätigt Andreas Karl von der Rettungsdienst GmbH: „Bei der Typisierung eines Neufahrzeugs hat uns der TÜV darauf aufmerksam gemacht.“ Die Konsequenzen: „Etwa 100 Fahrzeuge müssen neu typisiert werden.“ Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: „Entweder bauen wir stärkere Federungen ein oder wir begnügen uns mit fünf Sitzplätzen.“

Kurios ist zumindest auf den ersten Blick, dass die „Speckröllchen“ der Einsatzfahrzeuge erst jetzt auffielen. Die ersten Autos der Serie wurden bereits vor zwei Jahren beim TÜV im Innsbrucker Stadtteil Rossau typisiert.

„Aber schon damals gab’s Schwierigkeiten“, erinnert sich TÜV-Leiter Engelbert Rauchegger: „Die Einsatzfahrzeuge brachten über 2800 Kilo auf die Wage. „Mit den erlaubten sechs Personen an Bord wäre das höchstzulässige Gesamtgewicht von 3200 Kilo eindeutig überschritten worden.“ Zumindest beim angenommenen Durchschnittsgewicht von 75 Kilo pro Mitfahrer. „Daher lehnte unser Sachverständiger die Typisierung ab.“

Beim zweiten Versuch wogen die Fahrzeuge dann deutlich weniger: Die Waage zeigte „rund 2700 Kilo an“, erinnert sich Rauchegger: „Damit war eine Typisierung möglich.“

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Das Geheimnis der Blitzdiät beschreibt ein Rettungsinsider so: „Fast leere Tanks, außerdem wurde ein Teil der Ausrüstung kurzerhand ausgeladen.“ Und nach dem Meistern der TÜV-Hürde wieder eingeladen.

„Genau genommen wurden wir getäuscht“, sagt Rauchegger. Das sei aber der Alltag der TÜV-Prüfer: „Die Wohnwägen und Wohnmobile beispielsweise typisieren wir in der Regel ohne Geschirr, Bettzeug und Wasser im Tank. Am Weg in den Urlaub sind diese Fahrzeuge dann fast alle überladen.“

Wie der TÜV-Chef weiters betont, sei das kaum zu verhindern: „Es ist nicht verboten, sein Fahrzeug ohne Reserverad und Wagenheber zu typisieren.“

Auch wenn derartige Schummeleien nicht unüblich sind, muss die Rettungsdienst GmbH reagieren. „Weil letztendlich immer die Lenker die Verantwortung tragen“, sagt Rauchegger. Im Fall eines Unfalls hätte ein überladenes Fahrzeug Einfluss auf die Schuldfrage.

„Wir suchen bereits eine Lösung mit der Firma, die unsere Fahrzeuge ausrüstet“, denkt Karl an leichtere Rettungsautos. Außerdem hofft er auf ein deutsches Gutachten, das eine fünfprozentige Überladung dieses Fahrzeugtyps als unbedenklich ausweist. „Wenn das Gutachten in Österreich anerkannt wird, könnten wir uns eine neue Typisierung ersparen.“


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