Hiobsbotschaft für Berlusconi: Neue Ermittlungen im Fall Ruby

Die Staatsanwaltschaft will Vorwürfe prüfen, wonach der Ex-Ministerpräsident junge Frauen bezahlt haben soll, um sie zu Falschaussagen vor Gericht zu bewegen.

Links Karima el-Mahroug („Ruby“), rechts der ehemalige italienische Premier Silvio Berlusconi.
© Reuters

Rom - Die Mailänder Staatsanwaltschaft wird bis Jahresende neue Ermittlungen gegen Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi in Zusammenhang mit dem Fall der Marokkanerin Karima el-Marough alias „Ruby“ aufnehmen. Die Ermittlungen sollen auch seine Rechtsanwälte Nicoló Ghedini und Piero Longo, sowie eine Reihe von Zeugen betreffen, die in den vergangenen Monaten bei dem sogenannten Ruby-Prozess in Mailand vor Gericht ausgesagt hatten, verlautete am Donnerstag aus Mailänder Justizkreisen.

Der Ruby-Prozess gegen Berlusconi war erstinstanzlich im Juni mit der Verurteilung des Medienzaren zu sieben Jahren Haft wegen Amtsmissbrauch und Sex mit einer minderjährigen Marokkanerin zu Ende gegangen.

Das Gericht hatte damals die Staatsanwaltschaft zur Aufnahme weiterer Ermittlungen wegen Falschaussagen einiger Zeugen aufgerufen. Die Richter waren der Ansicht, dass Berlusconi Zeugen bezahlt haben könnte, um sie vor Gericht zur Falschaussagen zu bewegen. Bei den Zeugen handelt es sich mehrheitlich um junge Fragen, die in den vergangenen Jahren an Partys in Berlusconis Mailänder Residenz teilgenommen hatten .

„Monatsgehälter“ von bis zu 3000 Euro für Zeuginnen

Die Mailänder Staatsanwälte gehen davon aus, dass mehrere Zeuginnen der Verteidigung vor Gericht gelogen haben, weil sie von Berlusconi „Monatsgehälter“ bis zu 3000 Euro für ihr Schweigen über ausschweifende Partys in der Mailänder Residenz des TV-Tycoons erhielten. Berlusconi selber hatte im April 2012 berichtet, dass er insgesamt 42 junge Frauen erhalte, die in den Strudel der Ruby-Affäre geraten waren. Jede bekomme mindestens 2500 Euro im Monat.

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„Ich erhalte diese jungen Frauen, die von den Staatsanwälten verleumdet worden sind. Sie haben keine Arbeit mehr, ihre Freunde haben sie verlassen. Ihre Eltern haben ihre Geschäfte schließen müssen. Dabei haben diese Frauen eine einzige Schuld: Bei mir an normalen Abendessen teilgenommen zu haben, nach denen es Theateraufführungen gab“, sagte Berlusconi.

Immunität wohl bald Geschichte

Für Berlusconi sind die Berichte über bevorstehende neue Ermittlungen gegen ihn eine Hiobsbotschaft. Das Senatsplenum wird im November über seinen Ausschluss aus dem Parlament abstimmen. Damit wird er nicht mehr mit der Parlamentarierimmunität rechnen können. Berlusconi hatte am Freitag seinen Antrag auf Sozialdienst als alternative Maßnahme zum einjährigen Hausarrest beantragt, zu dem er im August rechtskräftig wegen Steuerbetrugs verurteilt worden ist. Ein Ausschuss des Senats hat bereits dafür gestimmt, Berlusconi das Mandat zu entziehen. (APA)


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