Der reine Ton von Herzeleid und Freude

Hall – Jordi Savall, niemand Geringerer als dieser ebenso intellektuell wie emotional reiche Großmeister der Alten Musik, eröffnete am Freit...

Hall –Jordi Savall, niemand Geringerer als dieser ebenso intellektuell wie emotional reiche Großmeister der Alten Musik, eröffnete am Freitag die 10. Saison der Reihe musik+ der Galerie St. Barbara. Er selbst erinnerte nach vielen Zugaben daran, in Hall vor vielen Jahren als einem der ersten Orte außerhalb Spaniens musiziert zu haben, und würdigte die Veranstalterfamilie Crepaz. Die hat im Abendprogramm seine Auftritte aufgelistet. 1972 musizierte Savall erstmals in Hall, und ab da waren in langen Jahren seine musikalische Entwicklung und seine wissenschaftliche Erschließung eines hochspannenden Repertoirs (dokumentiert auf seinem Label AliaVox) zu erleben. Sein zweites Konzert in Hall führte ihn 1974 wieder in die Jesuitenkirche, gemeinsam mit dem Countertenor René Jacobs, der damit sein Tirol-Debüt absolvierte.

Nun gab Savall einen seiner kostbaren Soloabende an der Gambe, ein Ereignis, das rund 500 Menschen in die Pfarrkirche führte. Anhand ausgewählter Stücke und Sätze von Karl Friedrich Abel, Vater und Sohn de Sainte-Colombe, Marin Marais, Johann Sebastian Bach u. a. stellte er, auch improvisierend, eine Konzentration aus seinen Forschungen, barocke Ausdrucksbereiche vor: Nach der Anrufung Trauer, Traum, fremde Stile, die Annäherung an die menschliche Stimme.

Die Gambe, sagt Savall und nennt sie eine „zutiefst fragile Seele“, zeige uns mit expressiver Kraft und bewegender Anmut eine Welt voller Emotion und Zärtlichkeit, Phantasie und Verzauberung, Herzeleid und Freude. Was wäre dem noch hinzuzufügen? Mit seinem unfehlbar reinen Spiel auf der siebensaitigen Gambe, seinem von Kontemplation und Träne bis zum Tanz reflektierenden Ton voll Menschlichkeit, der immer inhaltlich gebundenen virtuosen Perfektion und tiefen Poesie schenkte Jordi Savall im Kirchenraum, dessen Architektur ihm zu antworten wusste, eine unvergessliche Stunde. (u.st.)

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