Ein Leben lang ein Kindskopf sein

Otto Waalkes war hier und soll bitte bald wiederkommen. Denn niemand hoppelt, jodelt und blödelt so erfrischend wie er.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Otto Waalkes geht nicht, er hoppelt, wenn er nicht gerade schlurft oder springinkerlt. Kurz und gut: Otto waalkt. Das kann nur er, das darf nur er – weil’s bei jedem anderen blöd aussehen würde. Überhaupt darf Otto Waalkes vieles, was andere nicht dürfen: Otto darf „Schniedelwutz“ sagen, sein Publikum mit Wasser bespritzen und mit Kohlköpfen bewerfen, Witze mit elendslangen Bärten erzählen, eigenartige Schlabberhosen tragen und ungeniert mit Plüschtieren knutschen. Komisch, dass das lustig ist. Ist es aber – und wie.

Am Freitag war der Kultkomiker fünf Jahre nach seinem letzten Tirol-Gastspiel wieder in der Innsbrucker Olympiahalle zu Gast, mit im Gepäck hatte er jede Menge Ottifanten und das Programm „Geboren, um zu blödeln“. Die schlechte Nachricht zuerst: Dieses unterscheidet sich nicht sonderlich von „Otto – Das Original“, dem vorigen Programm des Ostfriesen. Die gute Nachricht: Das macht überhaupt gar nix. Außerdem gibt’s der 65-jährige Kindskopf ja eh ganz offen zu. „Ich spiel’ den gleichen Schrott wie immer“, gesteht er. Und garniert dieses Outing mit einem spitzbübischen Grinsen und einem lautstarken Rülpsen. Ja, Otto darf auch das. Eigentlich könnte er sich auch zwei Stunden mit einem Telefonbuch auf die Bühne stellen. Und müsste nicht einmal daraus vorlesen – sein Anblick genügt nämlich, um die gut besuchte Olympia­halle zum Brodeln und zum Prusten zu bringen.

Gelacht wird quer durch alle Altersschichten, schließlich ulkt sich der blonde Blödel-Papst schon seit den 70er-Jahren öffentlichkeitswirksam durchs Leben. Und spätestens seit er in den „Ice Age“-Filmen dem Faultier Sid nach dem schiefen Goscherl redet oder im Kino eigentümliche Zwerge groß rausbringt, hat auch die Generation iPhone einen Narren an dem Kult-Komiker gefressen, der so aussieht, als hätte er tatsächlich nach wie vor Freude an seinen Live-Auftritten. Immer wieder hält er sich vor Lachen den Bauch, der in einem Ottifanten-T-Shirt steckt, und wirkt dabei jungenhaft. Doch die Glatze und das dünner werdende Haar-Kranzerl zeugen davon, dass auch ein Otto nicht jünger wird. Den 65-Jährigen scheint das nicht weiter zu wurmen – anstatt Gedanken an die Rente zu verschwenden, taucht er lieber in den Jungbrunnen des Humors ein. Und fischt dort – wie man’s von ihm erwartet – neue Versionen seines „Hänsel und Gretel“-Klassikers hervor. Neben einer Gotye-Version gibt’s auch eine von den Geißens, als Höhepunkt interpretiert Otto dann noch den Gangnam-Style neu. Die Menge lacht, der Meister tut’s auch – allerdings nicht ohne vorher in den vordersten Reihen Unfug zu treiben und seine Fans feuchtfröhlich mit Wasserfontänen zu necken. Ein wenig erinnert die Otto-Show an ein Kasperltheater – mit einem Kasperl, der gleichzeitig auch das Krokodil ist. „Ich hab’ viel Blödsinn im Kopf“, singt der Tausendsassa zum Finale. Und erklärt, wie „wertvoll das Lachen“ ist. Dann waalkt er heim. Holareidulijö!


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