Wenn der Keiler klingelt

Verträge bei unerwünschten Werbeanrufen sollen nichtig sein, fordert die AK Tirol.

Innsbruck, Wien –Das Telefon klingelt im Minutentakt, sogar am späten Abend oder am Wochenende. Unerwünschte Werbe- und Verkaufsanrufe von Telefonkeilern sind in Österreich weiterhin ein Problem. Das so genannte „Cold Calling“ ist ohne Zustimmung des Konsumenten verboten, der Strafrahmen laut dem Telekommunikationsgesetz kann bis zu 58.000 Euro betragen. Doch so gut wie jeden Tag gehen bei den Konsumentenschützern der Arbeiterkammer (AK) Tirol Beschwerden ein, viele betroffene Bürger klagen gar über „Telefonterror“. Laut einer Erhebung des Vereins für Konsumenteniformation (VKI) sind es mit einem Anteil von 53 Prozent überwiegend Lotterieunternehmen, die am Telefon exklusive Gewinne in Aussicht stellen, auf Rang zwei und drei folgen Aboverkäufer oder Telekommunikationsanbieter.

83 Prozent der kontaktierten Personen haben nie wissentlich ihre Zustimmung zu den Werbeanrufen gegeben. 58 Prozent gaben an, sich durch die Anrufe belästigt und bedrängt gefühlt zu haben.

Die AK-Konsumentenschützer weisen darauf hin, dass alle Verträge im Zusammenhang mit Gewinnzusagen bei einem unerwünschten Keileranruf nichtig sind, andere abgeschlossene Verträge haben aber Rechtsgültigkeit. Der Werber muss sich und sein Unternehmen mit Namen nennen, die Rufnummernunterdrückung ist verboten. „Zahlreiche unseriöse Anbieter ignorieren die derzeitigen rechtlichen Bestimmungen und keilen nach wie vor in dreister Manier am Telefon um potentielle Kunden“, kritisiert der Tiroler AK-Präsident Erwin Zangerl.

Die Arbeiterkammer setzt sich dafür ein, dass telefonisch besiegelte Verträge und Vereinbarungen nur dann gültig sind, wenn sie im Nachhinein schriftlich bestätigt werden. Um den Telefonkeilern das Handwerk zu legen, fordert die AK Mindeststrafen. Derzeit fällt meist eine Strafe von mehreren hundert Euro an, die die Firmen akzeptieren. Betroffenen rät die AK, niemals persönliche Daten am Telefon bekannt zu geben, selbst harmlose Fragen nie mit „Ja“ zu beantworten und im Fall mit Klagen zu drohen. (bea)

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Kommentieren


Schlagworte