Ein Glocknerkönig plant das nächste Abenteuer in Spanien

Seit einem Arbeitsunfall ist Sepp Margreiter an ein Leben im Rollstuhl gebunden. Den Sport hat er nicht aufgegeben. Jetzt ist er die Hochalpenstraße abgefahren.

Von Toni Silberberger

Alpbach –Es gibt Momente im Leben, die unverständlich sind. Aus lebensentscheidenden Ereignissen entstehen oft Wunder oder Höchstleistungen, die tiefen Respekt abverlangen.

Sepp Margreiter aus Alp­bach, vielen bekannt als Posaunist der Alpbacher Bläser und der Tiroler Kirchtagmusig, sowie Skischulleiter im „Dorf der Denker“, war Zeit seines Lebens ein ehrgeiziger und sehr sportlicher Typ. Bis zu jenem düsteren Septembertag im Jahre 1999, als er bei einem Arbeitsunfall schwer verunglückte.

Diagnose: schwere Querschnittlähmung und damit ein Leben im Rollstuhl. Eine mehr als niederschmetternde Diagnose. Erst nach langer Zeit erwachte Sepp aus dem Koma, und langsam realisierte er sein schweres Los. Vom Klinikum Innsbruck ging es dann zur Therapie in das Reha-Zentrum Bad Häring. Dort lernte er Richard Altenberger, den Physiotherapeuten kennen, der ihn bis heute betreut.

„Ich habe in Alpbach eine Skischule und muss zu Weihnachten fit sein, der Chef muss für seine Mitarbeiter da sein“, das sagte Sepp – „der kaum fähig war, auch nur einen Arm nach oben zu bewegen“ – zu Richard Altenberger.

Diese Worte sind dem Chef der Physiotherapie im Reha-Zentrum bis heute – 14 Jahre später – immer noch in Erinnerung. Was folgte, waren Jahre harter medizinischer und vor allem therapeutischer Arbeit, und der Sepp war immer ein richtiger „Beißer“, sagt Altenburger heute.

Er lernte mit dem Monoski wieder Skifahren, erlitt dort nach einem Sturz einen komplizierten Schulterbruch. Dies brachte den Sepp aber nicht aus der Spur. Er lernte auch wieder Posaune spielen, damit er mit seinen Alpbacher Bläsern und der Tiroler Kirchtagmusig ausrücken konnte.

Jetzt erfüllte sich der 61-Jährige einen ganz großen Traum: Er fuhr mit seinem Handbike von Heiligenblut aus die gesamte Hochalpenstraße bis nach Bruck zur Straßenverwaltung der Hochalpenstraße. In diesem Alter hat dies bisher noch keiner geschafft.

Betriebsleiter Peter Embacher von der Hochalpen AG sagte voller Bewunderung: „Ab und zu kommen Behindertensportler auf die Hochalpenstraße, von Ferleiten bis zum Fuscher Törl – aber eine gesamte Überquerung mit einer solch schweren Behinderung hat noch keiner gemacht.“

Am Hochtor steht eine Gruppe von Mountainbikern aus Oberösterreich, die aus dem Staunen nicht mehr herauskamen: „Ich bin 10 Jahre jünger und habe mich echt abgeplagt – und dies als gesunder Mensch“, sagt Erich Steinhofer.

„Ein Vorbild für die Jugend, aber auch für alle, die mit einer solchen Behinderung leben müssen“, meint der Therapeut.

Dass er sich diesen sportlichen Traum noch mit 61 Jahren erfüllen konnte, freut Sepp Margreiter ganz besonders. Und dann verrät er noch einen Wunsch: Auf dem Jakobsweg von Tirol aus nach Santiago de Compostela, diese 2300 km lange Reise in einem Handbike hat noch keiner gemacht. Einmal die Tiroler Fahne auf dem riesigen Platz vor der mächtigen Kathedrale in Santiago de Compostela zu schwenken, dies wäre der absolute Höhepunkt in seinem Leben.

Dazu braucht es aber Unterstützung, denn ohne Sponsoren ist dieses Vorhaben nicht zu bewältigen. Sollte dies möglich werden, würde der berühmte „Botafumeiro“ im Querschiff der riesigen Kathedrale wohl besonders festlich schwingen.

Jetzt bereitet sich Sepp Margreiter auf die Wintersaison vor, denn in wenigen Wochen geht‘s in seiner Skischule wieder los. Sein Handbike stellt er in die Ecke und packt den Monoski aus.


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