400 tote Zivilisten bei Drohnenangriffen in Pakistan seit 2004

Kriegführung mit Drohnen ist billig, effizient und sicher - zumindest für die eigene Seite. Doch die Angriffe vor allem der USA mit unbemannten Flugzeugen stoßen immer öfter auf Kritik. Jetzt fordern die Vereinten Nationen die Offenlegung der Akten.

Archivbild einer US-Drohne. Auch die EU plant die Entwicklung eines unbemannten Bombers.
© EPA/US AIR FORCE

New York - Die Vereinten Nationen machen Druck auf die USA wegen der Drohnenangriffe in Pakistan und anderen Teilen der Welt. Der UN-Beauftragte für Terrorismusabwehr, Ben Emmerson, hat von Washington die Offenlegung der Daten ihrer Angriffe mit unbemannten Flugzeugen gefordert. Ansonsten könnten Berichte über zivile Opfer nicht überprüft werden. Pakistan will die Drohnenangriffe auch beim Besuch von Premierminister Nawaz Sharif in Washington zum Thema machen.

Die Einbindung des Geheimdienstes CIA in die Kriegsführung sei ein „unüberbrückbares Hindernis für die Transparenz“, schrieb Emmerson am Freitag in einem Bericht für die UN-Vollversammlung. Dies mache es unmöglich, die Zahl der zivilen Opfer in Pakistan, Somalia, dem Irak und dem Jemen abzuschätzen. „Der Sonderbeauftragte will nicht hinnehmen, dass Erwägungen der nationalen Sicherheit es erlauben, Daten dieser Art zurückzuhalten“, schrieb Emmerson. Er forderte auch Großbritannien und Israel auf, ihre Kriegsführung mit unbemannten Flugkörpern offenzulegen.

Drohnen sind unbemannte Flugzeuge, die tagelang in der Luft bleiben können. Sie folgen entweder einem programmierten Kurs oder werden von einer Bodenstation gesteuert, die Tausende Kilometer weg sein kann. Sie dienen nicht nur der Aufklärung, sondern können mit Luft-Boden-Raketen auch Ziele angreifen. Gesteuert werden diese Angriffe von einem Waffensystemoffizier in der Kontrollstation.

330 Drohnenangriffe seit 2004

Dem UNO-Papier zufolge berichten pakistanische Behörden, dass es in ihrem Land seit 2004 mindestens 330 Drohnenangriffe gegeben habe, die meisten in den Grenzregionen zu Afghanistan. Dabei seien etwa 2200 Menschen getötet und 600 schwer verletzt worden - nach Angaben des unabhängigen Journalisten-Netzwerkes „Bureau of Investigative Journalism“ in London sogar noch weit mehr. Mindestens 400 der Todesopfer sollen pakistanischen Angaben zufolge Zivilisten gewesen sein, weitere 200 müssten als „Nichtkämpfer“ betrachtet werden. Allerdings sei von 2012 zu 2013 über einen spürbarer Rückgang bei zivilen Opfern berichtet worden.

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Emerson schrieb von „einer Reihe offener juristischer Fragen“ beim Einsatz von Drohnen. Diese könnten nur international beantwortet werden. Der Brite fürchtet, dass der Einsatz von Drohnen unkontrollierbar wird. Immer mehr Länder würden die unbemannten Flugkörper beschaffen. (APA/dpa)


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