Pianner protestierten gegen Sanna-Kraftwerk

Eine Bürgerinitiative hat über 350 Unterschriften gegen das Sanna-Kraftwerk gesammelt. Gestern rief man zu einer Kundgebung.

Von Matthias Reichle

Pians –„Wir haben unsere Rucksäcke jederzeit gerichtet, damit wir schnell aus dem Haus flüchten können“, Karolina Postai konnte gestern die Tränen am Rednerpult nicht zurückhalten. Ihr Haus, das an der Mündung des Lattenbachs steht, einem Seitenbach der Sanna, wurde mehrfach vermurt. Regelmäßig wird das Rinnsal zum reißenden Bach.

In Pians hat sich kürzlich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich gegen das geplante Sanna-Kraftwerk wehrt – die TT hat berichtet. Die Betreiber sind sieben Gemeinden, unter ihnen Pians, sowie das Planungsbüro Infra. Gestern fand nun eine Protestkundgebung statt. 90 Menschen waren gekommen. Die Initiatoren fürchten, dass die Sanna aufgrund der Restwassermenge nach dem Kraftwerksbau nicht mehr die Kraft besitzt, um die Muren an der Lattenbach-Mündung abzutransportieren, und sich die Situation der Anrainer dadurch verschlechtert. Die Projektbetreiber widersprechen dem.

Die Initiative hat nun 283 Unterschriften von Pianner Bürgern sowie 80 weitere von Auswärtigen gesammelt. Das ist genug, um beim Genehmigungsverfahren Parteistellung zu bekommen. Rund 45 Prozent der Pianner Wahlberechtigten hätten unterschrieben, betonte Hermann Wolf, einer der Kraftwerkskritiker. „Wir sind keine Horde wilder Protestler, wir sind Leute, die weiter in Pians leben wollen“, erklärte der Sprecher der Gruppe, Walter Mathoy. Man habe zur Selbsthilfe gegriffen, weil der Dorfchef nicht vor den Gefahren gewarnt hätte. Der Pianner Bürgermeister Peter Rauchegger war vor Ort und widersprach den Vorwürfen. „Schon beim ersten Treffen bei Landesrat Anton Steixner habe ich auf den Lattenbach hingewiesen.“ Er bat die Betroffenen um Geduld, man sei noch in der Planung. Infra-Projekt-Manager Johann Bayer wies darauf hin, dass durch das Abschalten des Kraftwerks im Gefahrenfall wieder das ganze Wasser zur Verfügung stünde bzw. dass man auch die Möglichkeit hätte, das Wasser von der Sanna abzuleiten, um so die Situation nach einer Mure zu entschärfen. Das sei eine Verbesserung der derzeitigen Situation. Die Botschaft der Kraftwerkskritiker bleibt gleich: „Gebt das Projekt auf.“

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