Nicht ganz Italien leidet unter der Krise: „Agro-Mafia“ verdient sich goldene Nase

Die krisengebeutelte Wirtschaft Italiens befindet sich in einer tiefen Rezession. Die Bürger leiden und begehren gegen die harte Sparpolitik der Regierung auf. Doch selbst in dieser schweren Zeit verdient eine Gruppe: Bei der Mafia dürfte der Umsatz steigen.

Rom - Die in der italienischen Landwirtschaft und auf dem Ernährungssektor tätige „Agro-Mafia“ verdient sich mitten in der tiefen Krise des Landes eine goldene Nase. Um zwölf Prozent auf etwa 14 Milliarden Euro steigt der Gesamtumsatz, den das organisierte Verbrechen in diesem Jahr verglichen mit 2011 machen dürfte. Das geht aus einer am Samstag veröffentlichten Bilanz des Agrarverbandes Coldiretti hervor.

Damit kommt nahezu ein Siebentel des Umsatzes der Branche durch illegale Geschäfte herein. Die Clans profitieren dabei von den Folgen der Rezession in der krisengeschüttelten Wirtschaft. Betrug und Erpressung, falsche Etikettierungen und illegale Schlachtungen gehören zu den Methoden der vor allem im Süden des Landes aktiven „Agro-Mafia“.

Die Untersuchung geht auch davon aus, dass in Italien rund 5000 Lokale und Restaurants in der Hand des organisierten Verbrechens sind, überwiegend über Strohmänner. Auch in Rom erregen immer wieder Berichte über immer stärker zunehmende kriminelle Elemente in der Gastronomie der Hauptstadt Aufsehen.

Dort kam es am Samstag indes zu einer Großdemonstration gegen die Sparpolitik. Zehntausende Menschen haben sich auf dem Platz vor der Lateranbasilika für einen Massenprotest versammelt. Die Demonstranten trugen Transparenten mit Slogans gegen die Arbeitslosigkeit und die soziale Ausgrenzung. „Wir haben Recht auf eine Zukunft“, war auf den Transparenten einiger Studentengruppen zu lesen. Italien ist mit einer Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent belastet. An der Protestkundgebung beteiligten sich auch Anarchisten und Umweltaktivisten, die sich gegen den Bau der Bahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Turin und Lyon einsetzen.

Schärfste Sicherheitsvorkehrungen wurden im Vorfeld der Demonstration ergriffen. Am Samstag wurden in Rom neun Anarchisten, darunter einige Ausländer, festgenommen. Die Festnahmen erfolgten bei Kontrollen unweit des Wirtschaftsministeriums. Die Anarchisten mussten die Stadt verlassen, wie italienische Medien berichteten. Bei Kontrollen vor der Demonstration wurden Autos beschlagnahmt, in denen Ketten und Knüppeln gefunden wurden. Schon am Freitag waren fünf französische Anarchisten festgenommen und in ihre Heimat abgeschoben worden. (APA/dpa)


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