Syrische Scharfschützen schießen angeblich gezielt auf Schwangere

Nach einem fünfwöchigen Aufenthalt im Kriegsgebiet berichtet der britische Arzt David Nott von grausamen „Zielübungen“ syrischer Scharfschützen.

In Syrien sammeln sich Tausende von Islamisten aus Nordafrika, Nahost, Europa und dem Kaukasus. Radikale Prediger rekrutieren sie für den Kampf gegen das Assad-Regime.
© REUTERS

London/Damaskus - Ein britischer Chirurg hat nach einem Einsatz in Syrien über grausame Einsätze von Scharfschützen gegen Zivilisten berichtet. Es sei zu beobachten, dass tageweise Patienten eingeliefert würden, die Schussverletzungen an bestimmten Stellen des Körpers aufwiesen, sagte David Nott nach einem fünfwöchigen Aufenthalt in Syrien der Zeitung The Times vom Samstag.

„An einem Tag sind es Schüsse in die Leiste, am nächsten ist es die linke Brust“, führte er aus. Offenbar unternähmen die Scharfschützen aus Langeweile und zur eigenen Unterhaltung Zielübungen. „An den ersten Patienten, die am Morgen eingeliefert wurden, ließ sich fast schon ablesen, was man den Rest des Tages über zu sehen bekam“, sagte Nott der Zeitung. „Es war ein Spiel.“ Allein an einem Tag habe er in einer syrischen Stadt, die er aus Sicherheitsgründen nicht nennen wolle, mehr als sechs schwangere Frauen mit Schussverletzungen behandelt. „Allen Frauen war in die Gebärmutter geschossen worden, sie müssen direkt darauf gezielt haben“, sagte Nott.

„Das geschah mit Vorsatz“

Der Arzt arbeitet normalerweise als Gefäßchirurg in einem Londoner Krankenhaus. Zu seinen Patienten gehörte auch schon der frühere britische Premierminister Tony Blair. Kriseneinsätze leistete Nott in den vergangenen 20 Jahren bereits in Bosnien, in Libyen und in der Demokratischen Republik Kongo. Zu seinen Erlebnissen in Syrien sagte er der Times: „Es war das erste Mal, dass ich so etwas gesehen habe, das geschah mit Vorsatz.“ (tt.com, APA/AFP)


Kommentieren


Schlagworte