Mit Ski-Bahnhof baut Südtirol „Öffis“ weiter aus

Während in Nord- und Osttirol über den Direktzug gestritten wird, macht Südtirol mit dem Ski-Bahnhof Vierschach Nägel mit Köpfen.

Von Christoph Blassnig

Vierschach/Südtirol –Aus der Eisenbahn direkt umsteigen in den Skilift: Was im Bahnhof von Percha nahe Bruneck seit Dezember 2010 funktioniert, soll ab dem nächsten Jahr auch in Vierschach Gästeströmen die Anreise zum Skiberg Helm per Zug möglich machen. „Dieses neue Angebot bedeutet eine Absicherung für die touristische und wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region Hochpustertal“, ist der Innichener Bürgermeister Werner Tschurtschenthaler überzeugt. „Wie schon Gitschberg, Kronplatz und Plose wird damit auch das Ski- und Wandergebiet Helm perfekt in den öffentlichen Nahverkehrstakt eingebunden.“

Nur wenige Kilometer hinter der Staatsgrenze, auf Höhe der Seilbahn-Talstation in Vierschach, entsteht in einer langgezogenen Schleife eine 150 Meter lange neue Haltestelle an der Pustertalbahnstrecke. Nach dem ersten Bauabschnitt, der schon im Herbst 2014 fertiggestellt sein wird, werden die Wintersportler noch die viel befahrene Staatsstraße queren müssen, um auf den Parkplatz des Skigebietes zu gelangen. „Später bringt der Bau einer Überführung auf Bahnsteigniveau weitere Erleichterung und Sicherheit für die Gäste“, informiert ein Vertreter der Südtiroler Baufirma, die mit den Arbeiten betraut ist.

Am Samstag ist der Spatenstich für den neuen Ski-Bahnhof erfolgt. „Vor einem Vierteljahrhundert mussten wir unsere Bahn-Haltestelle in Vierschach aufgeben. Umso bedeutender ist dieser historische Moment heute. Nicht allein für den Tourismus, auch für unsere eigene Bevölkerung bedeutet die Wiederkehr der Bahnverbindung zwischen Innichen und Vierschach eine enorme Aufwertung“, so Tschurtschenthaler.

Für ihn ist auch die ab Dezember 2015 geplante Ausdehnung des Stundentaktes von Franzensfeste bis nach Lienz Ausdruck gelungener Zusammenarbeit in der Europaregion. „Neue Mobilität, neue Wege und Visionen sind gerade für ländliche Gebiete überlebensnotwendig. Ost- und Südtirol können so nicht nur bildlich, sondern tatsächlich zusammenwachsen!“

Der Südtiroler Landesrat Thomas Widmann sieht das Pustertaler Verkehrskonzept beispielgebend für den gesamten Alpenbogen: „Und es geht weit über Lienz, Innichen oder Franzensfeste hinaus: Wir haben jetzt schon Anfragen aus Süd- und Mittelitalien, von wo ganze Züge mit Urlaubsgästen zu uns kommen werden. Unser Bus- und Zugkonzept mit öffentlichen Verkehrsmitteln von den Seitentälern und kleinen Dörfern bis zu den Urlaubsangeboten macht das möglich, Sommer wie Winter, ganz ohne eigenes Auto. Für Hunderte, Tausende unserer Familien sichern wir Einkommen und Wohlstand!“

Laut den beiden Festrednern war zur Spatenstichfeier alles gekommen, was im Hochpustertal Rang und Namen hat. Vertreter Osttirols aus Wirtschaft, Politik oder Tourismus fehlten.


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