Neues Leben für alte Android-Smartphones

Weil Handyhersteller ihre alten Geräte nicht mehr aktualisieren, springt die Community ein. Daraus entstand nun ein eigenes Unternehmen.

Von Georg Holzer

Seattle –Vor drei Wochen entstand aus einer großen Community von Entwicklern eine Firma, die sich eines ebenso großen Problems annimmt: Auch alte Android-Handys sollten laufend Updates erhalten. Bislang war es so, dass viele Smartphones und Tablets beim Kauf „stehen blieben“ und deren Nutzer keine Updates mehr bekamen. HTC, Samsung & Co. verzichteten oft sogar auf sicherheitsrelevante Aktualisierungen. CyanogenMod und nun die Firma Cyanogen Inc. schaffen hier nicht nur Abhilfe, sondern bringen Android-Nutzern weitere Vorteile.

Google legt den Quellcode seines Android-Betriebssystems offen, weshalb jeder damit machen kann, was er will. Weil der breiten Masse das Wissen eines Entwicklers fehlt, springt die Community ein. Die Installation alternativer Android-Systeme war zwar schon länger möglich, setzte aber viel Wissen und Fingerspitzengefühl voraus.

Die Entwickler von Cyanogen haben große Pläne und wollen vor allem mit Einfachheit punkten. Der kommende „Cyanogen Installer“ wird kinderleicht zu bedienen sein (siehe unten). Bis zum Start will man sich auf einige Hersteller konzentrieren, die ihre Geräte nicht allzu sehr vor alternativen Systemen abschotten. In den USA gibt es – anders als in Österreich – nämlich ein Gesetz, das das Knacken von Handys verbietet. Doch auch diese Front bröckelt und so wird die Zahl der vom „Cyanogen Installer“ unterstützten Geräte bald nach dem Start schnell wachsen. Die komplizierte manuelle Installation von CyanogenMod ist derzeit auf Dutzenden Geräten möglich.

Neben laufenden Aktualisierungen und der Entfernung des Simlock gibt es weitere Gründe, die für unabhängige Android-Versionen sprechen. Im Zuge der NSA-Enthüllungen gewinnt der Datenschutz an Bedeutung. Niemand kann wissen, ob und welche Hintertüren Samsung, HTC oder auch Google für die NSA offen lassen. Je mehr unabhängige Entwickler auf den Quellcode schauen, umso geringer das Risiko.

Zudem befreien die Entwickler das Smartphone von jeder Menge unnötigem Balast, den die Hersteller darauf installieren. Ein Cyanogen-System ist etwa um den Faktor drei bis vier schlanker und somit deutlich schneller als sein Samsung-Pendant.

Cyanogen wird auch künftig gratis sein. Geld will Cyanogen mit Handyherstellern verdienen, die das System auf ihren Geräten vorinstalliert ausliefern wollen.


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