Ermittler: Hypo Alpe Adria ist beispielloser Krimi

Das Milliardengrab Hypo Alpe Adria lässt die Ermittler immer wieder den Kopf schütteln. Sie stoßen auf Gier ohne Ende und ganz dunkle Machenschaften.

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Von Matthias Röder und Albert Otti

Wien - Der Fall der Kärntner Hypo Alpe Adria ist nach den Worten des internen Ermittlers Christian Böhler „der größte Kriminalfall Europas nach dem Zweiten Weltkrieg“. Ermittlungen in dieser Dimension habe es bisher nicht gegeben. „Wir haben mit unseren 15 Mitarbeitern allein 6,5 Millionen elektronischer Dokumente zu sichten“, sagte Böhler dem „Standard“ (Samstag). Die Banker der Hypo Alpe Adria (HGAA) hätten in Südosteuropa oft mit Schwerstkriminellen, Geheimdienstlern, Militärs und hochrangigen, bestechlichen Politikern kooperiert. „Kleine Provinzbanker, die sich mit solchen Leuten ins Bett legen, müssen mit Problemen rechnen“, sagte der Chefermittler dem Blatt.

Die kriselnde HGAA hatte sich mit Geschäften auf dem Balkan völlig verspekuliert. Die BayernLB hatte die Hypo 2007 gekauft und nach Milliardenverlusten 2009 an die Republik zurückgegeben, wo sie notverstaatlicht wurde. Dem Steuerzahler drohen mehrere Milliarden Euro an weiteren Rettungsgeldern.

Pfeif-mir-nichts-Kapitalismus plus Gier plus kriminelle Energie: Das war die Hypo.
Christian Böhler, interner Hypo-Alpe-Adria-Ermittler.

Laut Böhler sollen frühere Chefs der HGAA Geld abgezweigt und sich so persönlich an der ehemaligen BayernLB-Tochter bereichert haben. Zwei ehemalige Vorstandsmitglieder seien angezeigt worden, sagte Böhler, ohne Namen zu nennen. Weitere Anzeigen könnten folgen.

Nach dem Jugoslawien-Krieg expandierte die ehemalige Kärntner Landesbank aggressiv am Balkan. Das dort investierte Geld sei in fragwürdigen Projekten und Schmiergeldern verschwunden. Es konnte jedoch nachverfolgt werden, sagte Böhler: „In den meisten Fällen hat sich nach unseren Recherchen eine Handvoll Bankmanager etlicher Strohmänner auf der Kundenseite bedient und mit deren Hilfe systematisch Geld aus der Bank gezogen.“ Zum Beispiel habe ein Banker Geld der HGAA über ein Kundenkonto in Liechtenstein reingewaschen und sich damit bereichert oder es für Bestechungen genutzt.

Viele Geschäfte hätten jeder Vernunft entbehrt, sagte Böhler weiter. „Es ging darum, Geld zu machen, den Umsatz zu steigern und Boni zu kassieren. An Nachhaltigkeit hat niemand gedacht.“ Die Hypo in Liechtenstein habe im System eine Schlüsselrolle gespielt. Dort hätten die Ermittler rund 1700 Namen und Konten gecheckt, davon könnten möglicherweise 300 Konten mit kriminellen Vortaten zusammenpassen. „Da werden wir 30 bis 50 Sachverhalte anzeigen“, sagte Böhler weiter. „Liechtenstein war eine Waschmaschine für Schwarzgeld und eine Einrichtung, um Zahlungsflüsse zu verschleiern.“ Die Recherchen der Ermittler dürften noch zwei, drei Jahre dauern.

Wolken über der Zentrale der Hypo Group Alpe Adria-Bank in Klagenfurt.
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Unterdessen soll eine wichtige Weichenstellung zur Zukunft der Bank, die im ersten Halbjahr 2013 einen Verlust von 860 Millionen Euro verbuchte, in den nächsten Wochen fallen. Es geht dabei um die Gründung einer Bad Bank, die faule Kredite der HGAA im Umfang von bis zu 19 Milliarden Euro übernehmen soll. An der Bad Bank sollen sich voraussichtlich auch die heimischen Geldinstitute beteiligen.

Außerdem liegen Österreich und die Bayern-LB weiter juristisch im Clinch. Streitpunkte sind unter anderem gegenseitige Forderungen über Rückzahlungen. Die HGAA muss auf Druck der EU bis Mitte 2015 restrukturiert sein. (Matthias Röder und Albert Otti arbeiten für die Deutsche Presse Agentur.)


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