Die Freude ist ganz unsererseits

Kia hat zuletzt viel in die Formensprache investiert, ist aber beim emotionalen Fahrerlebnis etwas schuldig geblieben: Mit dem Procee’d GT begleichen die Koreaner bravourös die fällige Rechnung.

Zwei Energiebündel, ins rechte Bild gerückt: der Kia Procee’d GT und das im Lago di Livigno gestaute Spöl-Wasser, das später durchs Inntal fließt. Serienmäßig beim Procee’d GT sind unter anderem die Xenon-Scheinwerfer, LED-Tagfahrlicht mit vier LED-Einheiten und rote Bremssättel.Foto: Höscheler

Von Markus Höscheler

Livigno –Es muss sich viel aufgestaut haben bei den Entwicklern, die im Sold von Kia stehen. Die Tochtermarke des Hyundai-Konzerns ist zuletzt mit frischem Design aufgefallen, das auf den Fachmann Peter Schreyer zurückgeht. Selbst Deutschland-fixierte Autokenner zollten Kia Respekt, Marketing-Experten hätten zudem gerne die markentypische Sieben-Jahres-Garantie abgekupfert. In puncto Fahrfreude allerdings galt das aufstrebende Asien-Label keinesfalls als erste Adresse.

Einen Eintrag in einschlägige Adressbücher verdient Kia aber seit Mitte des Jahres mit dem Procee’d GT (und der fünftürigen Variante Cee’d GT). Hier durften nicht nur die Designer noch einmal Hand anlegen, um den GT von den normalmotorisierten Varianten abzuheben – sondern auch die Ingenieure, die sich der Fahrdynamik verschrieben haben. Die haben sich den werkseigenen 1,6-Liter-Vierzylinder zur Brust genommen, ihn adaptiert und mit einem Twin- Scroll-Turbolader versehen. Das Resultat am Prüfstand lautet 204 PS, 265 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 1750 Umdrehungen/Minute und ein Null-auf-100-km/h-Sprint in 7,7 Sekunden. Als Ergebnis auf Tiroler, Schweizer und italienischen Bergstraßen registrieren wir maximalen Fahrspaß. Aufmerksam nimmt das kraftvolle Triebwerk Gasbefehle an, setzt sie mit Könnerschaft in spürbaren Vortrieb um und verwöhnt mit adäquater Beschallung. Die Lenkung ist präzise und verzichtet auf Überforderung in der Mittellage. Selbst das Fahrwerk macht scharfe Richtungswechsel überraschungsfrei mit – und das elektronische Stabilitätsprogramm spielt mit: Es lässt sich lange ausreizen, bis es mit Eingriffen droht. Die Sitze geizen glücklicherweise nicht mit Seitenhalt, lediglich das optionale Panoramaglasdach (1200 Euro extra) beeinträchtigt mitunter die optimale Sitzposition etwas größerer Erwachsener. Der Sechsgang-Handschalter verlangt nach präziser Führung, fürs Rückwärtsfahren legen wir die Verwendung der Rückfahrkamera nahe (Teil des Navigationssystems, 1120 Euro extra), denn die Sicht nach hinten ist Coupé-bedingt eine überaus eingeschränkte.

Dafür kann sich das Auge an den hochwertig wirkenden und sauber verarbeiteten Innenraummaterialien erfreuen, am hochauflösenden Touchscreen und an den Zentralinstrumenten, die ihre Darstellung per GT-Schalter auf sportliche Ausstrahlung ändern. Dann ist sogar die Arbeitsintensität des Turboladers ablesbar. Dem Bordcomputer lässt sich unter anderem der Testverbrauch entnehmen: 9,1 Liter je 100 Kilometer, Ausdruck eines häufig durchgedrückten Gaspedals.

Freude am Procee’d GT ist im Übrigen nicht nur während des Fahrens garantiert, sondern auch im Stand: Denn werksseitig beeindruckt die Mitgift des Herstellers, ohne die kein GT die Produktionshalle verlässt. Eine Zwei-Zonen-Klimaanlage, Audiosystem, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Tempomat, elektrisch bedienbare und beheizbare Außenspiegel sowie ein selbstabblendender Innenspiegel sind Serienbestandteil des kompakten Sportlers. Besondere GT-Elemente wie Teilleder-Sitzbezüge, Lederlenkrad und Lederschaltknauf runden das Interieur stilgerecht ab. Außen finden wir LED-Tagfahrlicht mit vier LED-Einheiten, einen speziell für den GT entworfenen Wabengrill, rote Bremssättel und einen Doppelauspuff.

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Fairerweise verlangt Kia für den Procee’d GT keine Unsummen, sondern 27.690 Euro. Wer die zuvor erwähnten Extras – Navi und Glasdach – samt Metallic-Lackierung ordert, bekommt für etwas mehr als 30.000 Euro einen Spaßmacher mit Sieben-Jahres-Garantie (auf 150.000 km).


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