Den Japanern gelingt die Pflege der Tradition

Honda hat mit der 1100 endlich wieder eine CB, die richtig ans Herz geht.

Die CB 1100 bietet Honda ab 13.290 Euro an.
© FF

Von Armin Farkas

Wien –Mit der CB 1100 hat Honda wieder ein Bike im Programm, welches bei sehr vielen Menschen Liebe auf den ersten Blick auslöst. Und das hat einen guten Grund, denn sie ist eine Hommage an eines der beliebtesten Traummotorräder einer ganzen Generation. Die CB 750 Four war seinerzeit nicht nur sehr begehrt, sie war auch der Pionier einer ganzen Flut von japanischen Vierzylindern, die eine Revolution des Motorradmarktes zur Folge hatte. Überdies ist sie so etwas wie eine Stilikone geworden, das Inbild eines klassischen Motorrads. Retro-Bikes gibt es zwar schon länger, auch gar nicht so wenige aus Japan, aber dass Honda seiner Geschichte ein Denkmal setzt, ist neu.

Schon rein optisch ist die CB ein Genuss. Der klassische Tank, die eleganten, polierten Metallkotflügel und natürlich der mächtige, luftgekühlte Reihenvierzylinder. Die vielen Kleinigkeiten (unnötige Teile findet man ohnehin nicht) fügen sich schön ins Gesamtbild ein. Die filigranen Gussfelgen sind zwar nicht völlig zeitgemäß, stören die Optik aber nicht wirklich und sind um einiges leichter als Speichenräder. Dafür weisen sie die damals übliche Dimension von 18 Zoll auf, was zwar die Auswahl in Sachen Reifen etwas einschränkt, aber dafür sehr viel authentischer aussieht. Die verwendeten Teile und die Verarbeitung sind ebenfalls vorbildlich, jeder Hebel und jeder Schalter rastet sauber und präzise. Hätte man die Sitzposition Ende der 60er Jahre noch durchaus als sportlich eingestuft, fällt sie heute wohl eher in die Kategorie „gemütlich“.

Ein Druck auf den Startknopf, und der Motor erwacht zum Leben. Optisch besticht er durch die feinen, klassisch anmutenden Kühlrippen, technisch glänzt er mit einer modernen elektronischen Einspritzanlage. Für die akustische Untermalung sorgt eine, ebenfalls sehr ansehnliche, Vier-in-eins-Auspuffanlage, über deren Authentizität sich streiten ließe. Denn diese Art von Auspuff wurde zwar sehr gerne nachgerüstet, ausgeliefert wurde die Ur-CB jedoch mit einer Vier-in-vier-Anlage.

Die CB fährt sich im Vergleich zu manch anderem Retro-Bike wie ein topmodernes Motorrad, einzig die klassischen Rundinstrumente lassen nicht vergessen, worauf man sich befindet. Der Motor ist ein einziger Genuss, mit ihm lässt es sich auf einer Drehmomentwelle über Landstraßen surfen, und er zaubert dabei unweigerlich ein Lächeln aufs Gesicht. Immer wieder ertappt man sich bei dem Gedanken, dass knapp 90 PS doch absolut ausreichend sind, um ein schönes Leben zu führen. Die CB fährt sich sehr unkompliziert, und man kann ohne Probleme den Alltag in der Stadt wunderbar mir ihr bewältigen.

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Aber so richtig zur Hochform läuft sie auf einem sich durch die Landschaft windenden Asphaltband auf. Werden die Schräglagen ernster, erinnern die relativ früh aussetzenden Fußrasten schnell daran, dass es sich hier nicht (mehr) um ein Sportmotorrad handelt. Trotz der eher komfortablen Auslegung des Fahrwerks macht dieses aber eine Menge mit, ohne dabei schlaff oder wackelig zu wirken.

Die Bremsen lassen das hohe Gesamtgewicht fast vergessen und sind mit ABS und dem Honda-eigenen kombinierten Bremssystem ausgestattet. Dies ist vermutlich der größte Unterschied zwischen der CB 1100 und seinem klassischen Vorbild, und das ist auch genau das, was Honda wollte. Ein modernes Motorrad mit allen gängigen Sicherheitsfeatures mit der zeitlosen Optik der ersten großen Erfolge der 70er Jahre.


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