Waffennarr baute für Anarchie vor

Sechs Monate bedingte Haft und 4320 Euro Geldstrafe ergingen für das Ebbser Waffenarsenal.

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Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Letzten Jänner entsetzte ein Waffen- und Sprengstofffund in einem unauffälligen Ebbser Haus in Tirol. Ein 25-Jähriger hatte dort nicht nur etliche Langwaffen – darunter auch vier Kalaschnikow-Sturmgewehre und Maschinenpistolen – gelagert, sondern auch über 100 Kilogramm Chemikalien zur Sprengstoffherstellung.

Nach sechs Wochen Untersuchungshaft und umfangreichen Ermittlungen des Verfassungsschutzes wegen anfänglichen Verdachtes von Kontakten zur Neo-Nazi-Szene, fand gestern am Landesgericht der Prozess gegen den Arbeiter statt. Ihm wurde von Staatsanwalt Johann Frischmann die Vorbereitung eines Verbrechens durch Sprengmittel, Vergehen nach dem Waffengesetz sowie Veruntreuung vorgeworfen. Strafrahmen: bis zu fünf Jahre Haft.

Verteidigerin Annamaria Rudel betonte gleich im Plädoyer, dass es sich bei ihrem Mandanten um keinen politischen Extremisten, sondern lediglich um einen Waffennarren und Sammler gehandelt hatte. Dieser trat im Prozesssaal erst auch lammfromm auf. So wollte der einstige Soldat eben ein „Waffensammler aus Leidenschaft“ gewesen sein. Mit Gewehren aus dem Zweiten Weltkrieg hätte ihn alleine ein historisches Interesse verbunden – auch wenn er mit ihnen ohne jegliche Registrierung geschossen hatte.

Der Reiz am Knall verband den Unterländer offenbar auch mit Böllern und riesigen Silvesterkrachern. Diese hatte er übrigens selbst gebaut – Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoff fanden sich auf dessen Computer-Festplatte. Genau wie drei Waffendepots im Erdboden, die der 25-Jährige in der Haft preisgegeben hatte: „Da waren wirklich gefährliche Sachen drinnen – da hatte ich Angst, dass das jemand findet!“, bekannte er vor Gericht. Und führte weiter aus, dass er die Waffen so vor möglichen Haus-Einbrechern in Sicherheit bringen wollte: „Wenn da Ost-Kriminelle mit Sturmgewehren in der Gegend herumgelaufen wären, wäre mir nicht mehr wohl gewesen!“

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Nicht mehr wohl war der Richterin auch anhand der sichergestellten Sprengstoffmenge: „Der Verfassungsschutz hat mitgeteilt, dass mit einer derartigen Menge in Bagdad 120 Leute getötet worden sind – das sind keine Kleinigkeiten mehr.“

Aufhorchen ließ der Angeklagte dann auch, als er bemerkte, dass er auf die Waffen im Ernstfall doch vielleicht einmal zurückgegriffen hätte: „Wenn Europa wegen des Euros kollabiert, der Staat und die Polizei der Anarchie Platz macht, hätte man sie vielleicht schon einmal gebraucht, um Haus und Eltern zu verteidigen!“

Ein Rat auf psychologische Betreuung erging. Fix dagegen ein Jahr Gefängnis, aufgeteilt in sechs Monate bedingte Haft und 4320 € Geldstrafe.


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