Gepatsch-Speicher soll 2015 komplett entleert werden

Tiwag erläutert die Ursache zu schlammig-braunem Inn und will Fischer entschädigen. Flussbett von Prutz bis Landeck am stärksten betroffen.

Von Helmut Wenzel

Landeck, Fließ, Prutz –In mehreren Schüben hat sich der Inn vorige Woche schlammig-braun verfärbt. Fischer der Region sowie die Umweltorganisation WWF schlugen Alarm – die TT berichtete.

„Es war eine notwendige Absenkung des Wasserspiegels im Gepatsch-Speicher, erläuterte Tiwag-Vostand Erich Entstrasser am Montag. „Die Maßnahme hängt mit dem Bau des neuen Druck­stollens bei Prutz zusammen.“ Ent­strasser spricht von einer „Trübung des Inn wie bei einem Hochwasser“. Keinesfalls habe eine Stauraumspülung des Gepatsch-Speichers, wie vom WWF dargestellt, stattgefunden. Von einer „Schlammwelle“ könne laut Entstrasser keine Rede sein. Für die Verfärbung des Inn hätten „nur“ Schwebstoffe bzw. Gletscherschliff gesorgt.

Für nächstes Jahr ist laut Tiwag eine komplette Entleerung geplant – nur so könnten die neuen Anlagenteile beim Krafthaus Prutz in Betrieb genommen werden. „Dazu wird es vorher Gespräche mit den Fischern geben“, betonte Entstrasser. Dass die jüngste Teil­entleerung in die Laichzeit der Forellen fiel, sei bekannt. „Die Fischer werden entsprechend entschädigt“, kündigte der Tiwag-Vorstand an. Wobei kein Geld fließt, sondern der Besatz ersetzt werde. Man werde diverse Projekte „aufstocken“, um die Fischpopulation wieder herzustellen.

Doch diese Art der Entschädigung ist für die Fischer alles andere als befriedigend. „Die Tiwag hat das jahrzehntelang immer wieder so gemacht“, schildern Petrijünger aus der Region frustriert. „Bei Niedrigwasser wirken sich die Schlickablagerungen extrem negativ aus. Die Mikrofauna und Laichplätze werden mit einer Lehmschicht überzogen, bis zu fünf Zentimeter große Äschen ersticken an verklebten Kiemen.“

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Besonders schwer betroffen sollen die Fischereireviere Prutz, Fließ und Landeck sein. Ab dem Zusammenfluss von Sanna und Inn ist die Lage weniger dramatisch – weil relativ unbelastetes Wasser beigemischt werde. Die Petrijünger sind überzeugt: Solange es derartige „Belastungsschübe“ für den Inn gibt, werde es kein Eigenaufkommen von Bach- und Regenbogenforellen sowie Äschen geben.

Auch der WWF kritisiert die Vorgangsweise der Tiwag. „Man muss sich fragen, warum es für derartige Aktionen keine wasserrechtliche Bewilligung gibt“, sagte Günther Tschavoll, WWF-Projektleiter für Inn und Isel, „anderswo sind den Betreibern von Speicherkraftwerken bestimmte Grenzwerte vorgeschrieben. Der Anteil an Schwebstoffen wird dann mittels Monitoring überprüft.“ Zudem vermisse der WWF ein „professionelles Stauraum-Management“.


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