ÖHB-Team träumt schon von der nächsten Sensation

Der 30:20-Kantersieg gegen Tschechien ist abgehakt. Die nächste Aufgabe für die ÖHB-Auswahl bei der EM heißt Dänemark. Die Gastgeber sind klarer Favorit, chancenlos sei man aber keineswegs.

© gepa

Herning - Mit dem 30:20-Kantersieg über Tschechien haben Österreichs Handball-Männer die große Überraschung des ersten Tags der EM in Dänemark geliefert. Die souveräne Vorstellung am Sonntag macht den Aufstieg in die Hauptrunde endgültig zum realistischen Ziel und lässt selbst für das Spiel gegen Titelfavorit Dänemark am Dienstag (20.30/live ORF Sport +) leise von der Sensation träumen.

Der rot-weiß-rote Kantersieg blieb auch Dänen-Coach Ulrik Wilbek nicht verborgen. Er dirigierte sein Team am Sonntagabend zu einem fast ebenso klaren 29:21-Erfolg über Mazedonien. „Eine große Überraschung. Ein sehr, sehr effektives Team“, lobte Wilbek die Österreicher, die die favorisierten Tschechen richtig schlecht aussehen ließen.

Sieg als Resultat akribischer Arbeit

Für Teamchef Patrekur Johannesson war dies nicht zuletzt Resultat akribischer Vorbereitung. „Wir haben 10 Spiele mit 160 Szenen pro Spiel analysiert. Sie haben taktisch das gespielt, was wir erwartet haben“, meinte er im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Co-Trainer Erwin Gierlinger. „Wir waren perfekt auf die Mannschaft eingestellt“, bestätigte Robert Weber.

Für Flügelspieler Weber ist nun nichts ausgeschlossen. „Wenn wir eine Leistung wie gegen Tschechien bringen, kann alles passieren“, erklärte der siebenfache Torschütze vom Sonntag. „Wir müssen es schaffen, in einen Sog reinzukommen, Niko (Marinovic, Anm.) muss hinten dicht machen.“

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Marinovic, mit 42 Prozent gehaltenen Bällen bärenstark und nur noch von Dänen-Goalie Niklas Landin (46) übertroffen, sah den Auftaktsieg als „großen Schritt Richtung Hauptrunde“. Er hatte im Verbund mit einer präzise, beweglich und aggressiv arbeitenden Defensive maßgeblichen Anteil am Erfolg. „Weltklasse. Fast alles, was aufs Tor kam, hat er gehalten“, lobte Kapitän Viktor Szilagyi, der trotz seiner Sprunggelenksblessur im Angriff fast immer die Fäden zog. „Mit zehn Toren Unterschied zu gewinnen ist ein Traum.“

Für seinen nächsten Einsatz zeigte sich der Regisseur zuversichtlich. „Es wird sicher gehen morgen“, meinte er. Sein Ziel für die Partie gegen die haushohen Favoriten: „Wir haben ein klares Konzept, an das wir uns halten müssen. Dann können wir das Spiel länger offen halten. Es wird an Dänemark liegen, aber wenn sich uns eine Chance bietet, dann müssen wir zu 100 Prozent da sein.“

Die dänischen Titelverteidiger verfügen mit Rückraum-Mann Mikkel Hansen nicht nur über einen Superstar, sondern sind generell bestens besetzt. „Sie haben einen sehr breiten Kader, das ist sicher ein Unterschied zu Tschechien“, konstatierte Johannesson. Gold ist für die Wilbek-Truppe denn auch das klare Ziel. Seit 2002 war man bei EMs stets unter den Top Fünf und holte dabei dreimal Bronze sowie zweimal den Titel.

Weltklassehandballer Jicha neutralisiert

Dass aber auch Weltklassehandballer neutralisiert werden können, zeigte das Beispiel des tschechischen Aushängeschilds Filip Jicha, der aus dem Spiel heraus auf nur zwei Treffer kam. „Das gibt uns unheimlichen Auftrieb, dass er so zerschellt ist an uns“, konstatierte Roland Schlinger, der sein 150. Länderspiel bestritt und damit den in der ewigen Einsatzliste achtplatzierten Michael Gangl einholte.

Neuerlich wird jedenfalls eine „Topleistung“ (Johannesson) in der Abwehr vonnöten sein, um den Gegner zu fordern. Schließlich verfügen die Gastgeber auch über starken Rückhalt von der Rängen der 14.000er-Halle in Herning. Das war gegen Mazedonien deutlich zu merken. Für Abwehr-Spezialist Markus Kolar ist das freilich nur zusätzliche Motivation: „Das wird noch cooler, weil die ganze Halle gegen dich ist“, sagte der Fivers-Akteur. Weber erinnerte nicht zuletzt an den Auftakt der Heim-EM 2010: „Da haben wir gegen die Dänen auch nur mit vier Toren verloren (29:33, Anm.).“ (APA)

Handball-Europameisterschaft 2014

GRUPPE C in Aarhus

Serbien - Polen 20:19 (13:9)

Frankreich - Russland 35:28 (19:14)

GRUPPE D in Bröndby

Kroatien - Weißrussland 33:22 (16:11)

Schweden - Montenegro 28:21 (18:13)

GRUPPE A in Herning

Mazedonien - Tschechien 24:24 (10:11)

Dänemark - Österreich

29:33 (12:18)

GRUPPE B in Aalborg

Ungarn - Island 27:27 (16:15)

Norwegen - Spanien

25:27 (8:12)


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