Russland will mit Sotschi punkten

Der russische Botschafter in Österreich, Sergej Netschajew, verspricht reibungslose Spiele.

Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi wurde der wohl bekannteste russische Kreml-Kritiker, Michail Chodorkowski, amnestiert und aus dem Straflager entlassen. Auch die Aktivistinnen von Pussy Riot kamen vorzeitig frei. Wollte Russlands Präsident Wladimir Putin damit sein internationales Ansehen nach viel Kritik wieder aufbessern?

Sergej Netschajew: Ich glaube nicht, dass die Begnadigungen mit den Olympischen Spielen in Verbindung gebracht werden können. Vielmehr hat das russische Parlament Anfang Dezember anlässlich des 20-jährigen Bestehens der russischen Verfassung eine große Amnestie verkündet. Diese wurde von Präsident Putin unterzeichnet. Im Falle Chodorkowski hat dieser selbst den Antrag auf Begnadigung gestellt. Die Winterspiele in Sotschi stehen auf einem anderen Blatt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die Stadt ist bereit, alle Sportstätten sind fertiggestellt. Bei den Bauarbeiten haben österreichische Unternehmen – darunter auch Tiroler Unternehmen – eine wichtige Rolle gespielt. Insgesamt war die österreichische Wirtschaft mit einem Auftragsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro beteiligt.

Deutschlands Präsident Joachim Gauck hat bereits mitgeteilt, nicht nach Sotschi zu kommen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verspricht such durch die Olympischen Spiele keine Änderung der Menschenrechtslage in Russland. Wie kommentieren Sie die Absage Gaucks und die Kritik von Menschenrechtsorganisationen?

Netschajew: Wir sehen die Olympischen Spiele als großes internationales Sportfest. Es geht um die Sportler, um die Fans, um die Touristen. Und ich habe nie gehört, dass Präsident Gauck aus politischen Gründen nicht nach Sotschi kommt. Es ist die Entscheidung der einzelnen Länder, welche Politiker zur Unterstützung ihrer Sportler nach Sotschi kommen. Angesprochen auf die Rechte von Homosexuellen möchte ich klarstellen, dass Homosexualität in Russland nicht verboten ist. Unter Strafe steht die Propaganda vor Minderjährigen. In Sotschi sind jedenfalls alle Sportler willkommen. Und es wird keine Komplikationen geben.

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Abseits von Olympia sorgt vor allem der Konflikt um die künftige Ausrichtung der Ukraine für Aufsehen. Welche Strategie verfolgt Moskau in der Ukraine?

Netschajew: Russland hat keinen Druck auf die Ukraine ausgeübt. Die Entscheidung, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union vorerst nicht zu unterschreiben, war eine souveräne Entscheidung der Regierung in Kiew. Diese fußt auf einer Analyse der wirtschaftlichen Lage des Landes. Auf der anderen Seite wird Moskau die Ukraine nicht dazu drängen, der von Russland angeführten Zollunion beizutreten.

Das Interview führte Christian Jentsch


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