Nachtklub taugt nicht als Verhandlungsraum für Südsudan

Unterhändler protestierten gegen den ungewöhnlichen Tagungsraum für die Friedensgespräche.

Juba/Addis Abeba - Politische Friedensverhandlungen kranken in aller Regel an unterschiedlichen Zielen der Gesprächspartner, doch im Falle Südsudans ist der Tagungsort selbst zum Störfaktor geraten: Weil Regierungsvertreter und Rebellen ihre Differenzen in einem Nachtklub ausräumen sollten und einige Unterhändler dagegen protestierten, wurden die Beratungen kurzerhand von Montag auf Dienstag vertagt.

Der Grund für die Posse sind Buchungsengpässe. Bisher fanden die Sitzungen stets in einem Konferenzraum des Luxushotels Sheraton in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba statt. Doch am Montag war der Saal nicht verfügbar - Japans Ministerpräsident Shinzo Abe und sein Tross hatten ihn anlässlich eines Staatsbesuchs in Äthiopien im Voraus reserviert. Die südsudanesischen Delegationen sollten daraufhin in den Nachtklub des Hotels ausweichen.

Doch das ging manchen Teilnehmern der Friedensgespräche zu weit: Einige von ihnen hätten sich beschwert, der Nachtklub sei zu laut, zu weitläufig und noch dazu schlecht beleuchtet, hieß es aus Verhandlungskreisen. Außerdem sei er nur abends geöffnet, nicht aber tagsüber, wenn man doch eigentlich am Verhandlungstisch sitzen wolle. Aufgrund der misslichen Situation wurden die Gespräche daraufhin um einen Tag nach hinten verschoben.

Im Südsudan bekämpfen sich seit Mitte Dezember die Truppen von Präsident Salva Kiir und seinem einstigen Stellvertreter Riek Machar. Kiir warf dem Rebellenchef die Planung eines Putsches vor, doch der Konflikt speist sich auch aus ethnischen Rivalitäten: Der Präsident gehört zur größten Volksgruppe der Dinka, Machar zur Volksgruppe der Nuer. Bei den anhaltenden Kämpfen sind schon tausende Menschen getötet und nach UN-Schätzungen rund 400.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben worden. (APA/AFP)


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