Nil-Fähre mit Flüchtlingen im Südsudan gesunken: 200 Tote

Auf einer völlig überfüllten Fähre wollten sich 200 Flüchtlinge im Südsudan vor Rebellen in Sicherheit bringen. Aber das Boot ging unter - und riss ganze Familien in der Strömung des Nils in den Tod.

Juba – Auf der Flucht vor der blutigen Gewalt im ostafrikanischen Krisenland Südsudan sind vermutlich mehr als 200 Menschen im Weißen Nil ertrunken. Sie kamen aus der umkämpften Stadt Malakal an der Grenze zum nördlichen Nachbarn Sudan und wollten den Fluss überqueren, um sich in Sicherheit zu bringen. Dies berichtete der lokale Sender Radio Tamazuj auf seiner Internetseite.

Unklarheit herrschte zunächst über den genauen Zeitpunkt der Tragödie. Armeesprecher Philip Aguer sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Schiff sei am Dienstag gesunken. Örtliche Medien wie Radio Tamazuj berichteten dagegen, die Fähre sei womöglich schon am Sonntagabend verunglückt.

Überfüllte Fähre sei umgekippt

Die völlig überfüllte Fähre habe sich zu einer Seite geneigt und sei umgekippt, sagte der Lokalpolitiker und Augenzeuge Majok James. „Die Menschen haben versucht, sich an den Seiten des Bootes festzuhalten, aber nur zwei von ihnen und der Kapitän haben es lebend ans Ufer geschafft“, erklärte James. „Dieser Teil des Nils ist sehr breit und tief und hat eine starke Strömung.“ Unter den 200 bis 300 Opfern sollen großteils Familien mit Kindern sein.

„Es sind alle ertrunken“, sagte der Militärsprecher. „Sie waren auf der Flucht vor den Kämpfen, die in Malakal wieder begonnen haben.“ Malakal ist die Hauptstadt des nördlichen südsudanesischen Staates Upper Nile. Rebellen versuchen derzeit erneut, Malakal unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie hatten zuvor in einer Mitteilung erklärt, Malakal „innerhalb von 24 Stunden“ zu erobern. Bereits im Dezember hatte es rund um die ölreichen Bundesstaat Upper Nile schwere Kämpfe gegeben.

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Neue Gefechte in nördlicher Stadt Malakal

„Es gibt neue Gefechte in und vor der Stadt“, sagte UNO-Vertreter Toby Lanzer. Die Zahl der Menschen, die auf dem dortigen Stützpunkt der UNO-Friedenstruppen Zuflucht vor der Gewalt suchten, sei von 10.000 auf 19.000 gestiegen. Die Streitkräfte meldeten auch heftige Kämpfe vor der Stadt Bor, die die Regierung von den Rebellen zurückerobern will. Die Rebellen stehen dem Ex-Vizepräsidenten Riek Machar nahe. Unruhen waren im Zuge eines Machtkampfes zwischen Machar und Präsident Salva Kiir entbrannt. Dieser hatte seinen Stellvertreter im Juli aus seinem Amt entlassen. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Die Rivalen gehören den verfeindeten Volksgruppen der Dinka und der Nuer an.

Bei den Kämpfen wurden bereits tausende Menschen getötet. Etwa 230.000 Südsudanesen haben nach Angaben der Vereinten Nationen vor der Gewalt die Flucht ergriffen. Fünf von zehn Bundesstaaten sind von der Gewalt erfasst. Unterdessen sind bei den Friedensverhandlungen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba weiter keine Fortschritte zu verzeichnen. Beide Seiten kamen aber Dienstagfrüh erneut zu direkten Gesprächen zusammen. Inhaltlich geht es dabei vor allem um die von den Rebellen geforderte Freilassung von elf ranghohen Politikern, die als Voraussetzung für einen Waffenstillstand gilt. (APA/dpa/AFP)


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