Karrer nimmt seinen Hut

Der Langkampfener Langzeitbürgermeister Georg Karrer beendet mit 1. April seine 34 Jahre dauernde politische Karriere. Wer sein Nachfolger wird, steht noch nicht fest.

Von Wolfgang Otter

Langkampfen –Es ist kein Aprilscherz, aber mit 1. April dieses Jahres endet die politische Karriere eines Langzeitpolitikers: Georg Karrer, 34 Jahre im Gemeinderat, davon 22 Jahre lang als Bürgermeister von Langkampfen, und langjähriger Abfallverbands­obmann im Bezirk Kufstein, räumt noch während der laufenden Amtsperiode den Chefsessel im Langkampfener Gemeindeamt.

Die Frage, wie viele Kandidaten sich nun für das Amt des Bürgermeisters bewerben werden, lässt derzeit noch die Töpfe in der Langkampfener Gerüchteküche heftig klappern. Vorerst sind aber offiziell noch keine Namen bekannt geworden. Aufgrund der gesetzlichen Frist von zwei Jahren bis zur nächsten turnusmäßigen Neuwahl 2016 können auf alle Fälle die Gemeinderatsmandatare den neuen Bürgermeister aus ihrer Mitte wählen. Wann dies genau geschieht, ist offen.

Georg Karrer hat eine bewegte politische Karriere hinter sich, während der in Langkampfen viel gebaut wurde und trotzdem die Verschuldung der Gemeinde auf knapp zehn Prozent gesunken ist. Nach zwölf Jahren als Mandatar im Gemeinderat, stellte er sich 1992 erstmals der Wahl zum Langkampfener Bürgermeister. Es war ein denkwürdiger Urnengang in diesem Jahr, nicht nur für Karrer, sondern für das ganze Land Tirol. Erstmals wurden die Bürgermeister direkt gewählt. Karrer erhielt rund 48 Prozent der Stimmen und musste sich einer Stichwahl stellen, die er gewann und durch die er damit den Langzeitbürgermeister Sepp Hintner beerben konnte.

Und dann hätte er am liebsten das Amt gleich wieder zurückgegeben, wie sich Karrer im Gespräch mit der TT erinnert. Der Neo-Gemeindechef sah sich plötzlich einer Klage wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit dem Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes durch seinen Vorgänger gegenüber, letztlich gab es aber nach langem Instanzenweg einen Freispruch für Karrer.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Langkampfens Gemeindegebiet erstreckt sich über 26,42 Quadratkilometer und mehrere Fraktionen. So galt es für Karrer und den jeweiligen Gemeinderat, in dem die Volkspartei mit mehreren Listen die absolute Mehrheit hatte, ein teils ambitioniertes Infrastrukturbauprogramm umzusetzen. Mehrere Schulen, zwei Kindergärten und Feuerwehrhäuser waren neu zu bauen bzw. zu erhalten. Um das nötige Geld dafür zusammenzubekommen, hatte Karrer immer ein besonderes Auge auf Betriebsansiedelungen, die Langkampfener Firmen sorgen nun für ein solides Budget mit einer nur geringen Verschuldung.

Neben der Arbeit als Bürgermeister war Karrer als Abfallverbandsobmann tätig und weichte dabei das damalige Monopol der Mülldeponie Riederberg auf.

Wo viel Licht ist, ist jedoch auch Schatten und gerade das Hochwasser 2005 und der grauenhafte Bluttat an einer Mutter und ihren vier Kindern seien Ereignisse, die in schlimmer Erinnerung bleiben, wie Karrer betont.

Die letzten Jahre von Karrer als Bürgermeister sollten auch seine politisch schwersten werden. Er stand im Zentrum der Auseinandersetzungen um die Agrargemeinschaft Unterlangkampfen. Immerhin war er als Landwirt Mitglied der Gemeinschaft und daher immensem politischen Druck ausgesetzt, der schließlich dazu führte, dass er die Agenden Agrargemeinschaften in der Gemeinde an den Vizebürgermeister abgab.

Der Streit schlug sich auf das Ergebnis der Wahl 2010 nieder: Karrer konnte nur mit wenigen Stimmen Vorsprung den Bürgermeistersessel wieder erobern. Die Causa trieb sogar einen derart breiten Spalt in die Listen der Volkspartei, dass letztlich sogar ein SPÖ-Vizebürgermeister im Gemeinderat gewählt wurde.

Doch dies alles sei nicht der Grund für seinen Rücktritt: „Zum einen habe ich immer gesagt, dass ich mit 70 Jahren nicht mehr Bürgermeister sein will, zum anderen sind private Gründe ausschlaggebend“, erklärt der 68-jährige Dorfchef, der zwar unzufrieden mit den Vorgängen in der VP sei, aber nicht im Zorn scheide.


Kommentieren


Schlagworte