Hoteliers befürchten Minus bei deutschen Touristen

IHS-Studie erwartet Gästerückgang aus Deutschland, insgesamt aber ein Nächtigungsplus im Tourismus. Hoteliers fordern Werbe-Offensive.

Wels –Die für den Tourismus in Österreich und Tirol so wichtigen deutschen Urlauber kommen heuer voraussichtlich zögerlicher als im Vorjahr. „Wenn die Konjunktur in Deutschland anzieht, fahren die Deutschen lieber in entfernter gelegene Destinationen“, sagte der Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS), Christian Keuschnigg, auf dem Jahreskongress der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Wels. Das IHS rechnet in einer von der ÖHV beauftragten Studie für 2014 mit einem Nächtigungsrückgang bei deutschen Touristen von 0,1 % und einem Minus von 1,1 % für das Jahr 2015.

Eine alarmierende Botschaft für die Hoteliers. In Tirol sorgten deutsche Urlauber im vergangenen Tourismusjahr für 23 Millionen Übernachtungen und damit für 56 % der insgesamt 41 Millionen Nächtigungen. Hinter den Deutschen folgen Niederländer (4,6 Mio. Nächtigungen), Österreicher (3,8 Mio.) und Schweizer (2,5 Mio.). Österreichweit stellten in den vergangenen Jahren die Deutschen mit im Schnitt 48,72 Millionen Übernachtungen bzw. 38,7 % aller Nächtigungen den höchsten Anteil vor Österreichern (34,6 Mio.) und Holländern (9,24 Mio.).

Der ÖHV bezeichnet den deutschen Markt als Sorgenkind. „Mit Deutschland werden wir im besten Fall eine schwarze Null erwirtschaften – mit einem negativen Ausblick auf 2015“, sagte ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. Sie schlägt eine ähnliche Nahmarktkampagne vor wie im Krisenjahr 2009. Dadurch könnte heuer die Auslastung nicht mit niedrigeren Preisen erkauft werden, hofft sie: „Wir haben in den letzten Jahren frappant in den Preisen nachgelassen – auch in der ganzen Ferienhotellerie.“ Die ÖHV hofft auf mehr Budget für die Österreich Werbung, die mit einem Budget von rund 50 Mio. Euro arbeitet. Insgesamt wurde der Tourismus in Österreich 2012 laut IHS mit 405 Mio. Euro gefördert.

Trotz eines erwarteten Rückgangs aus Deutschland rechnet das IHS für Österreichs Tourismus insgesamt mit Nächtigungszuwächsen. Unterm Strich soll die Zahl der Hotelübernachtungen in Österreich heuer um 2,5 % steigen, 2015 um 1,7 %. „Das Gros der zusätzlichen Nächtigungen wird aus Österreich kommen“, erwartet Reitterer.

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Österreichs Hoteliers haben im vergangenen Jahr aber massiv bei den Investitionen gespart, 2013 wurde gegenüber 2012 um ein Drittel weniger investiert. Die ÖHV sieht den Grund der Investitionsbremse auch in der Steuerpolitik. Die Hoteliers fordern eine Senkung der Lohnnebenkosten und eine kürzere Abschreibungsdauer für Investitionsgüter wie etwa Badezimmer oder Klimaanlagen, für die derzeit – wie für die dazugehörige Immobilie – 33 Jahre gelten.

Der Tourismus sei ein Jobmotor, betonen die Hoteliers. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Tourismus-Jobs um mehr als 25 % gestiegen. „Wir haben im letzten Jahr 4000 Menschen einen neuen Job gegeben“, so Reitterer. Gleichzeitig aber zählte der Bereich Beherbergung und Gastronomie im vergangenen Dezember 4100 Arbeitslose mehr als zwölf Monate zuvor. Im Jahresschnitt 2013 gab es in der Branche 3000 mehr Arbeitslose als 2012. (mas, APA)


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