5092 Antworten der Schäfchen an die Hirten

Harte Kritik, große Ernsthaftigkeit: Die Tiroler Antworten auf dem Fragebogen des Vatikans zeigen, dass die Kirche noch immer bewegt.

Von Marco Witting

Innsbruck –„Die Kirche interessiert sich ja offensichtlich doch für ihre Schäfchen.“ Ein kleiner Zusatz am Ende eines Fragebogens, der die Stimmung Tausender Tiroler zusammenfasst, die ihn ausgefüllt haben. Irgendwo zwischen Freude, Verwunderung und aufgestautem Ärger der vergangenen Jahre.

Der Fragenkatalog wurde vom Vatikan zur Vorbereitung auf die Bischofssynode im Oktober 2014 an die Ortskirchen und letztlich weltweit an die Gläubigen verteilt. Die Themen: Familie, Ehe, Sexualität. Themen, die das Kirchenvolk seit Jahren bewegen. In der Diözese Innsbruck kamen 5092 Kurzerhebungsbögen zurück. Der Großteil (3297) wurde online abgegeben, 1655 waren es in Papierform. 140 Versionen trudelten von der vatikanischen Originalversion ein. Nach der Diözese Graz-Seckau reiht sich Innsbruck damit im österreichweiten Spitzenfeld ein.

Nach einer ersten Durchsicht hat man sich in der heimischen Diözese nun einen groben Überblick verschafft. Der Großteil der Antworten dürfte aus dem kirchlich-katholischen Umfeld kommen, zu einem hohen Prozentsatz sind ehren- und/oder hauptamtliche Mitarbeiter unter den Ausfüllern, wie die Diözese in einer Aussendung gestern erklärte.

„Der Fragebogen gibt einem das Gefühl, dass die Kirche nicht komplett an den Menschen vorbei agiert“, stand unter anderem auch auf den Bögen zu lesen. Bei Familienreferent Alfred Natterer laufen die Fäden und die Antworten der offenen Fragestellungen zusammen. Und der Referent musste dabei auch durchaus harte Kritik lesen. Allerdings gab es weder gröbere Beschimpfungen noch ein „Hinwegloben“ der Situation. Die große Ernsthaftigkeit, mit der die Antworten geschrieben wurden, beeindruckten Natterer aber. „Es ist natürlich keine repräsentative Umfrage, aber ein nicht zu übersehendes Stimmungsbild.“

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Dieses Stimmungsbild deckt sich inhaltlich auch mit jenen Ansichten, die gesellschaftlich in den vergangenen Jahren diskutiert wurden – aber eben nicht der Kirchenlinie entsprachen. Etwa bei der Ehe für Priester oder der Problematik der Wiederverheirateten. „Es geht stark in die Richtung“, attestiert auch Generalvikar Jakob Bürgler. „Diese Diskrepanz wird sichtbar. Und es wird auch an den Bischöfen liegen, diese Fragen letztlich zu beantworten.“ Papst Franziskus habe durch seine Art viel bewegt, ein System zu ändern, brauche aber Zeit und viele Mithelfer.

In der Diözese will man die Aufarbeitung der inhaltlichen Antworten weiter vorantreiben. Was für die Menschen „lebensrelevant“ ist, wie Naterer es ausdrückt, soll auch in der Arbeit des Referates Niederschlag finden.


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